Energie Wasser Bern (ewb)

Bern

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Wer auf ewb.ch nach einer Solarfirma sucht, findet zuerst etwas ganz anderes: eine Startseite voller Fernwärme, Kehrichtverwertung, Glasfasernetz und Elektromobilität. Energie Wasser Bern ist das städtische Energie-, Wasser- und Telecomunternehmen von Bern, und Photovoltaik ist bei ewb ein Punkt unter vielen auf einer sehr langen Liste, nicht das Kerngeschäft. Das verändert, was man hier eigentlich bucht: keinen spezialisierten Solarbetrieb mit eigener Montagecrew, sondern einen kommunalen Vollversorger, der Solarstrom als eine von mehreren Energielösungen anbietet.

Was ewb bei Photovoltaik konkret anbietet

Im Vordergrund stehen zwei Angebote. Das eine ist das Photovoltaik-Contracting: Laut eigener Website können Hauseigentümerinnen und -eigentümer damit Solarstrom produzieren, "ohne selbst in eine Photovoltaikanlage investieren zu müssen". ewb übernimmt in diesem Modell die Rolle, die sonst eine Installationsfirma und eine Bank gemeinsam spielen würden: Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb der Anlage liegen bei ewb, während die Liegenschaft die Fläche stellt. Das andere ist für alle, die schon eine eigene Anlage haben oder sich eine zulegen: Wer mehr Solarstrom produziert, als er selbst braucht, kann den Überschuss ins Netz von Energie Wasser Bern einspeisen, und ewb vergütet die eingespeisten Kilowattstunden.

Neu dazu kommt die ewb.LEG, eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft, die ewb gemeinsam mit der Stadt Bern lanciert hat. Ab dem 3. September 2026 können sich laut Medienmitteilung Mieter:innen, Liegenschaftsbesitzer:innen und Unternehmen im gleichen Quartier anschliessen, sodass Solarstromproduzent:innen ihren überschüssigen Strom direkt an Bezüger:innen in der Nachbarschaft verkaufen können. Das ist kein reines Solarprodukt, sondern ein Marktplatz für Nachbarschaftsstrom, aber es macht ewb zu einer der wenigen Adressen in Bern, bei denen man als Solarproduzent nicht nur ans öffentliche Netz verkauft, sondern gezielt an die eigene Umgebung.

Wie gross der Rest des Unternehmens ist

Der Massstab lohnt sich, weil er erklärt, warum Solar bei ewb ein Nebenzweig bleibt. Die Energiezentrale Forsthaus verarbeitet jährlich 110'000 Tonnen verwerteten Abfall zu 360 GWh Strom und 290 GWh Wärmeenergie, mit denen Fernwärme für weite Teile der Stadt erzeugt wird. Dazu kommen das Berner Glasfasernetz, die Wasserversorgung, die öffentliche Beleuchtung und ein eigenes Wärme- und Kälte-Contracting für grössere Liegenschaften und Firmen, das nach demselben Prinzip funktioniert wie das Photovoltaik-Contracting: ewb plant, baut, finanziert und betreibt, der Kunde bezieht nur die fertige Energie. Auf der Angebotsseite stehen Photovoltaik-Contracting und Wärme-/Kälte-Contracting deshalb im selben Menüpunkt "Energielösungen" nebeneinander, zusammen mit Energieberatung, Förderprogrammen und Elektromobilität.

Diese Grösse zeigt sich auch in den Zahlen zur Jahresrechnung, die ewb im eigenen Geschäftsbericht offenlegt: Für 2025 weist das Unternehmen einen Gewinn von 34,7 Millionen Franken aus, nach 90,3 Millionen Franken im Jahr davor. ewb nennt als Gründe für den Rückgang einen Produktionsausfall im Kernkraftwerk Gösgen und einen Bundesgerichtsentscheid und betont gleichzeitig, das operative Geschäft sei stark gewesen und die Investitionen in Netze, Fernwärme und die Energiewende blieben hoch. Für eine Kundschaft, die eine Photovoltaikanlage sucht, ist das zunächst nur ein Hintergrundfakt, aber er zeigt, dass hinter dem Contracting-Angebot ein finanziell tragfähiges, wenn auch schwankendes Grossunternehmen steht und keine kleine Solarfirma, die von einem einzigen schlechten Jahr existenziell getroffen würde.

Weitere Energieprojekte als Kontext

Wie sehr ewb auch abseits von Photovoltaik in grosse, mehrjährige Infrastruktur investiert, zeigt die im Mai 2026 abgeschlossene Erneuerung des Unterwerks Engehalde, die laut Medienmitteilung 4 Jahre Bauzeit beanspruchte. Ähnlich langfristig denkt ewb bei fossilen Netzen: Die Gemeinde Köniz hat beschlossen, ab 2041 aus der fossilen Gasversorgung auszusteigen, und ewb begleitet diesen Ausstieg, indem es das bestehende Gasnetz etappenweise ausser Betrieb nimmt und im Gegenzug Wärmeverbünde in Wabern und Niederwangen aufbaut. Solche Projekte laufen technisch getrennt vom Photovoltaik-Contracting, zeigen aber, dass ewb gewohnt ist, ganze Quartiere über Jahrzehnte auf eine neue Energieform umzustellen, nicht nur einzelne Dächer zu bestücken. Ergänzt wird das Angebot durch eine eigene Energieberatung, die Kundinnen und Kunden bei der Optimierung ihres Verbrauchs unterstützt, sowie durch Förderprogramme, über die zum Beispiel der Ersatz eines alten Haushaltsgeräts bezuschusst wird; ab dem 1. März 2026 konnten Förderbeiträge dafür rückwirkend auf den 1. Januar 2026 beantragt werden.

Was ewb nicht öffentlich nennt

Auf den öffentlich zugänglichen Seiten zum Photovoltaik-Contracting und zur Solarenergie nennt ewb weder einen Richtpreis noch eine Laufzeit oder eine Mindestgrösse für die Anlage. Wer wissen will, was ein Contracting-Vertrag im eigenen Fall kostet oder wie lange er bindet, muss das individuell klären; die Website macht dazu keine Angabe, die sich hier wiedergeben liesse. Auch eine genaue Abgrenzung des Versorgungsgebiets, in dem ewb Photovoltaik-Contracting überhaupt anbietet, findet sich auf den Solar-Unterseiten nicht, obwohl "Versorgungsgebiet" als eigener Menüpunkt im Kundenservice existiert. Wer ausserhalb der Stadt Bern liegt, sollte deshalb vor der Anfrage klären, ob die eigene Adresse überhaupt im relevanten Gebiet liegt.

Für wen sich ewb eignet

Am ehesten passt ewb zu Eigentümerinnen und Eigentümern, die eine Solaranlage wollen, aber weder die Anfangsinvestition noch die technische Betriebsverantwortung selbst tragen möchten, und die ohnehin schon Kundin oder Kunde bei ewb sind, etwa über Strom, Fernwärme oder das Glasfasernetz. Auch wer im eigenen Quartier direkt an Nachbarinnen und Nachbarn verkaufen möchte statt anonym ins Netz einzuspeisen, findet mit der neuen ewb.LEG ein Angebot, das kleinere, unabhängige Solarfirmen in der Region nicht haben. Wer zusätzlich eine Ladestation fürs Elektroauto sucht, findet die auch gleich unter demselben Anbieter, denn Elektromobilität steht bei ewb im selben Menüpunkt "Energielösungen" wie Photovoltaik-Contracting, was den Weg zu einer kombinierten Lösung aus eigenem Dach, Speicher und Auto verkürzt, ohne mit mehreren Firmen gleichzeitig verhandeln zu müssen.

Wer dagegen eine eigene Anlage besitzen und selbst betreiben will, oder wer einen Fixpreis für Material und Montage vergleichen möchte, findet bei ewb keine Antwort: Contracting bedeutet per Definition, dass die Anlage im Eigentum von ewb bleibt, nicht bei der Liegenschaft. Ebenso wenig eignet sich ewb für Interessierte ausserhalb des städtischen Versorgungsgebiets, weil das Photovoltaik-Contracting an die bestehende Kundenbeziehung zu Strom- oder Wärmenetz gebunden zu sein scheint, auch wenn die Website das nirgends explizit als Bedingung formuliert. Für alle in der Region Bern, die eine grosse, finanziell breit abgestützte Organisation einem kleinen Fachbetrieb vorziehen, bleibt ewb trotzdem ein naheliegender erster Kontakt, schon weil eine Offerte zum Contracting sich meist mit einem ohnehin fälligen Gespräch über Strom oder Fernwärme verbinden lässt.

Fazit

Energie Wasser Bern ist keine Solarfirma im klassischen Sinn, sondern ein städtischer Vollversorger, bei dem Photovoltaik-Contracting eine von vielen Energielösungen ist. Genau darin liegt die Stärke: Wer sich für das Contracting-Modell entscheidet, muss weder eine Anlage kaufen noch finanzieren noch selbst warten, und bekommt mit der ewb.LEG zusätzlich Zugang zu einem Nachbarschaftsmarkt für Solarstrom, der über das reine Verkaufen ans Netz hinausgeht. Der Preis dieser Bequemlichkeit ist fehlende Transparenz bei Kosten und Vertragsdauer auf der öffentlichen Website, und wer lieber Eigentümer der eigenen Anlage bleibt, ist bei einem klassischen Installationsbetrieb besser aufgehoben als bei einem Contracting-Anbieter dieser Grösse.

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