bern.solar (Solar hoch 2 GmbH)

Berner Oberland (Thunersee)

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

Markus Jurt und Nina Beranek stehen hinter bern.solar, wie die eigene Über-uns-Seite schreibt, und sie kamen nach eigener Aussage nicht über eine Ingenieurschule zur erneuerbaren Energie, sondern auf einer Weltreise. Markus Jurt ist diplomierter Heizungsinstallateur mit einer höheren betriebswirtschaftlichen Ausbildung und, so die Firma, über 35-jähriger Berufserfahrung in der Baunebenbranche. Nina Beranek bringt einen Master in Betriebswirtschaft und internationale Erfahrung in Kommunikation und Unternehmensentwicklung mit. Firmiert ist das Ganze als Solar hoch 2 GmbH, bern.solar ist laut eigener Angabe eine Marke davon. Auf der Website nennt sich die Firma selbst «der Wärmeerzeuger am Thunersee» und grüsst mit einem unverkennbar berndeutschen «Grüessech».

Was auffällt, sobald man sich durch die Navigation klickt: Photovoltaik kommt nirgends vor. Kein Solarmodul, kein Wechselrichter, kein Batteriespeicher, kein einziger Menüpunkt dazu. Stattdessen gliedert sich das Angebot in Warmwasser, Heizung, Wärmepumpen, Holzheizungen und Service. Unter Warmwasser und Heizung listet bern.solar Röhrenkollektoren sowie Flachkollektoren, wahlweise aufs Dach montiert, ins Dach integriert oder freistehend aufgestellt, dazu die passenden Speicherlösungen. Bei den Wärmepumpen führt die Firma mehrere Marken parallel: eine Luftwärmepumpe von Lambda, Luft-Wasser-Wärmepumpen von Ochsner und von Striega-Therm sowie eine Sole-Wasser-Wärmepumpe von Ochsner. Dazu kommen Holzheizungen als dritte Wärmequelle. Wer eine reine Stromlösung sucht, ist bei bern.solar an der falschen Adresse. Wer Warmwasser, Heizung oder beides sucht, findet hier drei Technologien unter einem Dach, beraten, geplant, montiert und gewartet, alles aus einer Hand, wie die Firma selbst schreibt.

Der Gratis Solarcheck ist die konkreteste Dienstleistung auf der Website. bern.solar verspricht darin keine automatisierte Onlineschätzung, sondern einen Fachbesuch vor Ort. Nach einem persönlichen Gespräch über Haus und Wünsche erstellt der Fachberater laut eigener Beschreibung eine individuelle Ertragsrechnung und eine Simulation, die mit echten Daten gerechnet wird, nicht mit generischen Annahmen aus einem Online-Rechner. Gleichzeitig gibt es eine Offerte mit genau den Produkten, auf denen die Rechnung basiert. Das ist ein sinnvoller Unterschied zu den anonymen Sofort-Kalkulatoren, die man auf vielen anderen Solarseiten findet, auch wenn sich der Aufwand eines persönlichen Vor-Ort-Termins nicht mit einem Klick vergleichen lässt.

Zur Absicherung nach der Installation vermittelt bern.solar eine All-Risk-Versicherung der Basler Versicherung, die die Firma selbst als einen der führenden Versicherer für erneuerbare Energien bezeichnet. Die Police deckt laut Website Schäden durch Hagel, Sturm, Blitzschlag, Feuer, Konstruktions-, Material- und Ausführungsfehler, Sabotage, Vandalismus, Bedienungsfehler, Überspannung, Unachtsamkeit, Kurzschluss, Diebstahl und Tierverbiss ab und entschädigt die notwendige Reparatur, die Wiederbeschaffungskosten oder den Ertragsausfall. Wichtig für die Einordnung: bern.solar ist hier Vermittlerin eines Fremdprodukts, nicht selbst die Versicherung, auch wenn die Police auf der eigenen Seite prominent beworben wird.

Was ein Dach dafür braucht

Auf der Unterseite zu den Voraussetzungen schreibt bern.solar offen, wie eine Solarthermieanlage optimal aufgestellt ist: eine Südausrichtung mit 43 Grad Dachschräge, ausreichend grosse und weitgehend verschattungsfreie Kollektorflächen, wobei auch künftiger Schattenwurf durch wachsende Bäume oder Bauprojekte in der Nachbarschaft mitgedacht werden soll. Gleichzeitig relativiert die Firma die eigene Idealvorstellung sofort wieder: Prinzipiell eigne sich beinahe jedes Haus für eine solche Anlage, eine weniger günstige Ausrichtung lasse sich über eine grössere Kollektorfläche ausgleichen. Das ist eine ehrliche Formulierung, weder ein Verkaufsversprechen, dass jedes Dach ideal sei, noch eine Hürde, die Interessenten ohne Süddach von vornherein abschreckt.

Als dritte Wärmequelle neben Solarthermie und Wärmepumpen führt bern.solar Holzheizungen, von Kunstöfen über Schwedenöfen bis zu konventionellen Systemen, und deckt damit laut eigener Aussage alles ab, vom kleinen Minergie-Einfamilienhaus bis zu einem Wärmeverbund mit bis zu 500 Kilowatt Leistung. Wichtig für die Einordnung: Bei den Holzheizungen arbeitet bern.solar nach eigener Aussage mit einem langjährigen Partner zusammen, der Dätwyler Ofenbau AG, die Holzheizung selbst ist also eine Partnerlösung und keine reine Eigenleistung von bern.solar. Als Zusatznutzen nennt die Firma die Kombination mit Solarthermie: Im Sommer steht warmes Wasser aus der Sonne zur Verfügung, ohne dass der Ofen dafür laufen muss.

Was das Team an Referenzen mitbringt

Neben den beiden Köpfen an der Spitze nennt die Website ein Montageteam mit den Vornamen Uwe, Ruedi, Thomas, Oliver, Tom, Patrick und Cihan, ohne eine Gesamtzahl an Mitarbeitenden zu beziffern. Zusätzlich führt bern.solar zwei Qualitätslabels an: Die Firma bezeichnet sich als Impulsberaterin «Erneuerbar Heizen» und als qualifizierte Installateurin für das Wärmepumpen-System-Modul. Beides sind Bezeichnungen, die auf ein anerkanntes Schulungs- beziehungsweise Qualitätsprogramm verweisen, ohne dass die Website selbst weitere Details zur ausstellenden Stelle nennt.

Was es bringt und was es kostet

Konkrete Preise nennt bern.solar nirgends, weder für eine Solarthermieanlage noch für eine Wärmepumpe oder eine Holzheizung. Was die Website stattdessen liefert, ist eine allgemeine Wirkungsrechnung: Nach eigener Berechnung kann eine Solarthermieanlage mit rund 1,5 Quadratmetern Flachkollektorfläche pro Person und einem Speicher von rund 300 Litern im Jahresschnitt rund drei Fünftel des Warmwasserbedarfs decken. Kommt die Heizungsunterstützung dazu, rechnet die Firma mit zusätzlich rund einem Viertel Einsparung bei der Heizenergie. Das sind, wie die Website selbst festhält, Durchschnittswerte aus einer allgemeinen Berechnung und keine Zusage für ein bestimmtes Haus, deshalb bleibt der Gratis Solarcheck der einzige Weg zu einer Zahl, die für die eigene Situation gilt.

Wie es sich einordnet

Die bewusste Beschränkung auf Solarthermie, Wärmepumpen und Holz statt Photovoltaik ist im Schweizer Markt selten, wo die meisten Anbieter heute umgekehrt zuerst PV-Module verkaufen und Solarthermie höchstens als Randnotiz führen. Für jemanden, der explizit eine thermische Lösung für Warmwasser und Heizung sucht, bedeutet das einen Anbieter, der sich nicht nebenbei damit befasst, sondern sein ganzes Sortiment darauf ausgerichtet hat, inklusive einer Auswahl an drei Wärmepumpenmarken für den Fall, dass Sonne allein nicht reicht. Der Nachteil ist ebenso klar: Wer eine eigene Stromproduktion mit Batteriespeicher will, muss dafür eine zweite Firma beauftragen, bern.solar deckt das nirgends ab.

Für wen sich das eignet

Am besten passt bern.solar zu Eigentümern im Berner Oberland rund um den Thunersee, die für Warmwasser und Heizung auf Sonne, eine Wärmepumpe oder Holz setzen wollen und dafür lieber einen spezialisierten Betrieb mit persönlicher Vor-Ort-Beratung beauftragen als einen PV-Generalisten. Wer eine grosse Photovoltaikanlage mit Eigenverbrauchsoptimierung sucht, findet das Angebot hier schlicht nicht.

Fazit

bern.solar ist eine der wenigen Schweizer Solarfirmen, die Photovoltaik konsequent weglässt und stattdessen die thermische Seite, Wärmepumpen und Holz zu einem klar umrissenen Angebot bündelt. Die Kombination aus persönlichem Gratis-Solarcheck mit echten Daten statt Online-Schätzung und einer vermittelten All-Risk-Versicherung für die fertige Anlage macht die Firma vor allem für Warmwasser- und Heizungsprojekte am Thunersee interessant, weniger für alle, die zusätzlich Strom erzeugen wollen.

Mehr aus Solarthermie

Alle ansehen