TVP Solar

Rue du Pré-de-la-Fontaine 10, 1242 Satigny

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TVP Solar aus Satigny bei Genf gehört in eine andere Liga als die meisten Firmen in dieser Kategorie: Statt Warmwasser für Einfamilienhäuser liefert das Unternehmen Prozesswärme und Dampf für Fabriken und Fernwärmenetze, mit selbst hergestellten Hochvakuum-Kollektoren, die die Firma nach eigener Aussage in dieser Form weltweit als Einzige in Serie produziert.

Was TVP Solar technisch anders macht

Die eigene Technologieseite erklärt das Prinzip so: "TVP is the highest expert in the world for high-vacuum applied to panels." Durch ein Vakuum von 10 hoch minus 9 Millibar bei der Herstellung, das über die Lebensdauer mindestens bei 10 hoch minus 3 Millibar gehalten werden muss, unterdrückt das Panel Wärmeverluste durch Konvektion nahezu vollständig. Das aktuelle Modell, MT-Power Version 4, erreicht laut Hersteller eine thermische Spitzeneffizienz von über 65 Prozent bei 100 Grad und über 50 Prozent noch bei 180 Grad, Temperaturbereiche, für die klassische Flachkollektoren oder Vakuumröhren ohne dieses Vakuumniveau nicht ausgelegt sind. Die Firma gibt für ihre Panels eine Energieproduktion von bis zu 2 Gigawattstunden pro Jahr und Megawatt installierter Leistung an, bei einem Flächenbedarf von rund 2400 Quadratmetern pro Megawatt und CO2-Einsparungen von bis zu 480 Tonnen pro Jahr und Megawatt. Nach eigenen Angaben hält TVP dafür 184 erteilte Patente auf Kerntechnologie, Produkt und Fertigungsverfahren.

Warum Industriewärme laut TVP das grössere Problem ist

Die Website begründet ihre Ausrichtung mit einer Grössenordnung, die bei privater Solarthermie selten zur Sprache kommt: "Industrial Process Heat is the largest energy sink." Als Beleg nennt TVP Solar zwei globale Zahlen, beide auf das Jahr 2017 bezogen: der weltweite Verbrauch fossiler Brennstoffe habe damals 132 Millionen Terawattstunden an Wärme erreicht, und Industrie sowie Wärmeerzeugung zusammen hätten über 40 Prozent der globalen CO2-Emissionen verursacht. Diese Zahlen dienen der Firma als Begründung dafür, warum sie ihre Kollektortechnologie konsequent auf Industrieprozesse statt auf Wohngebäude ausgerichtet hat, ein Markt, den die meisten Solarthermie-Anbieter in dieser Kategorie gar nicht bedienen.

Geschäftsmodell: Wärme verkaufen, nicht Anlagen

Anders als die meisten Solarthermie-Betriebe in dieser Kategorie baut TVP Solar nicht primär Anlagen für Kunden, sondern verkauft die erzeugte Wärme direkt über sogenannte Heat Purchase Agreements. Die Website formuliert das Versprechen unmissverständlich: Man rechnet den Kunden "die günstigste und sauberste Wärmeenergie" ab, "ohne jegliche Vorabinvestition und ohne Betriebs- oder Wartungsrisiko und -kosten" für den Kunden selbst. TVP übernimmt dabei die Rolle des Infrastrukturbetreibers, beteiligt sich an der Projektfinanzierung und garantiert die Leistung über die gesamte Vertragslaufzeit. Als Preisanker nennt die Firma einen Wärmepreis "so niedrig wie 24 Euro pro Megawattstunde", was einem Vergleichswert von etwa 7 US-Dollar pro Million britischer Wärmeeinheiten entspricht, konkurrenzfähig zu industriellen Erdgastarifen, mit denen sich TVP nach eigener Aussage hauptsächlich misst.

Für wen das gedacht ist

Die Zielgruppe sind ausdrücklich keine privaten Bauherren, sondern Industriebetriebe und Fernwärmenetze mit einem Wärmebedarf zwischen 65 und 180 Grad oder mit Niederdruckdampf bis 10 bar, etwa in der Lebensmittelverarbeitung, der Chemie oder in kommunalen Wärmenetzen. Auf der About-Seite nennt TVP Solar konkrete Referenzkunden aus drei verschiedenen Branchen: "TVP has been chosen as renewable heat supplier by some of the largest manufacturers (e.g. PepsiCo), the largest energy distributors (e.g. Engie) and the largest energy producers (e.g. Saudi Aramco) worldwide." Diese drei Namen tauchen nicht als vage Referenzliste auf, sondern als Beispiele, mit denen die Firma ihre technische Due-Diligence-Fähigkeit gegenüber sehr grossen, technisch versierten Einkaufsabteilungen belegt.

Reale Projekte statt nur Broschürenwerbung

Unter "Case Studies" und in der eigenen Newsrubrik zeigt TVP Solar konkrete, datierte Projekte: einen Solarwärmepark in Sondershausen (Deutschland) zur Fernwärmeversorgung, ein Fernwärmeprojekt namens Dorkwerd in den Niederlanden, das die Firma im Mai 2025 als "first solar thermal park in the Netherlands" vorstellte, sowie eine Prozesswärmeanlage bei California Dairies in den USA. Ein weiterer Artikel beschreibt, wie PepsiCo die Technologie am Produktionsstandort Feira de Santana in Brasilien einsetzt, zuerst veröffentlicht im Januar 2023 und im September 2024 aktualisiert. Diese Kombination aus Fernwärme, Industrieprozesswärme und einem Grosskonzern als Kunde zeigt eine Firma, die nicht nur mit Kennzahlen wirbt, sondern sie an benennbaren Standorten belegt.

Führung und Auszeichnungen

Gegründet wurde das Unternehmen von Piero Abbate, der laut About-Seite als Founder & CEO firmiert, gemeinsam mit Vittorio Palmieri als Mitgründer und technischem Berater. Sofia Abbate leitet als CFO die Finanzen, Francesco Vitobello die operative Seite als COO, ergänzt durch ein internationales Team aus Ländermanagern für Deutschland, Brasilien, Frankreich, die Schweiz und China. Piero Abbate wurde im Januar 2023 vom Magazin PME in einem Interview mit dem Titel "La Magie du Vide" porträtiert. An Auszeichnungen listet die Website unter anderem einen Intersolar Award für den innovativsten Solarthermie-Kollektor, einen Innovationspreis der Weltorganisation für geistiges Eigentum sowie einen Nova Energy Award von Saint-Gobain, dazu eine chronologische Liste von 2009 bis 2022, die einen Nova Best Innovation Award (2009), einen Best Product in Solar Industry Award (2012), einen Innovative Enterprise Award (2012), einen Energy Efficiency Award (2021), einen Best Product Award (2021) und einen Sun-Shot Award (2022) umfasst.

Fertigung in Serie, nicht auf Bestellung

Am eigenen Produktionsstandort fertigt TVP Solar laut eigener Angabe sieben Tage die Woche, in 20 von 21 möglichen Schichten. Von den insgesamt 30 zentralen Fertigungsschritten hat die Firma 6 selbst entwickelt, speziell für das vakuumdichte Verschweissen, Löten und die Vakuumprüfung, und 15 weitere gemeinsam mit Partnern entwickelt. Die nominelle Produktionskapazität einer einzelnen Fertigungslinie gibt TVP mit über 50 Megawatt pro Jahr an, bei einer Vakuum-Konditionierungsausbeute von über 98 Prozent. Mehr als 100 Personen sind laut Website allein in der Fertigung beschäftigt. Zertifiziert ist die Firma nach ISO 9001 für die Fertigung sowie nach ISO 9001 und ISO 14001 für die eigenen EPC-Prozesse, die Kollektoren selbst tragen Solar-Keymark- und SRCC-Zertifizierung sowie eine Hagelbeständigkeit nach ISO 9806.

Was fehlt und wofür TVP Solar nicht gedacht ist

Wer ein Einfamilienhaus oder ein Mehrfamilienhaus mit Solarthermie ausstatten will, ist bei TVP Solar an der falschen Adresse, die Website richtet sich ausschliesslich an Industrie- und Fernwärmekunden mit entsprechendem Wärmebedarf, eine Mindestgrösse für ein Heat Purchase Agreement nennt sie nicht öffentlich. Auch ein Kontaktformular für Privatpersonen oder eine Preisliste für Einzelkollektoren sucht man vergeblich, jede Anfrage läuft über den direkten Kontakt mit dem Vertrieb. Für Schweizer Industriebetriebe oder Betreiber von Fernwärmenetzen mit hohem Prozesswärmebedarf ist das Unternehmen dagegen ein seltenes Beispiel eines Schweizer Solarthermie-Herstellers, der im industriellen Massstab und mit international benennbaren Referenzen auftritt statt im Ein- bis Zweifamilienhausgeschäft.

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