Energiewendegenossenschaft Basel

Auf dem Wolf 45, 4052 Basel

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Wer sein Dach mit Photovoltaik belegen will, aber nicht das ganze Budget in fremde Arbeitsstunden stecken möchte, findet in der Energiewendegenossenschaft Basel ein Modell, das in der Region eher selten ist: Selbstbau mit professioneller Begleitung statt schlüsselfertiger Installation. Die Genossenschaft plant die Anlage, stellt eine zertifizierte Bauleitung und lässt die Hausbesitzerin oder den Hausbesitzer selbst mit anpacken, zusammen mit anderen Selbstbauenden aus der Region.

Wie das Modell funktioniert

Die EWG Basel beschreibt sich selbst als Zusammenschluss von Ingenieurinnen und Ingenieuren, die die Energiewende in der Schweiz vorantreiben wollen. Konkret übernimmt die Genossenschaft die Planung der PV-Anlage und stellt eine Bauleitung, die nach der Norm NIV Art. 14 zertifiziert ist, jenem Artikel der Niederspannungs-Installationsverordnung, der die fachliche Verantwortung für sicherheitsrelevante Elektroarbeiten regelt. Für die eigentliche Montage bringt die Bauherrschaft eigene Arbeitsstunden ein, unterstützt von einer Gruppe anderer Selbstbauender. Wer dabei mehr Stunden leistet, als die eigene Anlage braucht, kann diese bei anderen Projekten der Genossenschaft abarbeiten oder sie alternativ mit CHF 50 pro Stunde ausgleichen lassen, ein Punktesystem, das die gegenseitige Unterstützung in der Gruppe organisiert.

Nach eigener Aussage lassen sich durch diese gegenseitige Mithilfe unter Selbstbauenden bis zu 30 % der Kosten gegenüber einer konventionell installierten Anlage sparen. Die Genossenschaft betont zudem, dass Bauherrinnen und Bauherren dabei wertvolle Einblicke in die eigene Anlage gewinnen, ein Argument, das sich nicht beziffern lässt, aber zum erklärten Bildungsauftrag der Organisation passt. Rechtsform und Selbstverständnis sind hier keine Randnotiz: Die Energiewendegenossenschaft ist tatsächlich als Genossenschaft organisiert und beschreibt ihre eigene Arbeitsweise ausdrücklich als transparent und ohne Profitabsicht, anders als ein klassischer gewinnorientierter Solarinstallateur.

Ein grosses, ehrenamtlich geprägtes Team

Ungewöhnlich für einen Anbieter dieser Grösse ist die lange Liste namentlich genannter Projektleiterinnen und Projektleiter. An der Spitze stehen die Co-Präsidenten und Mitgründer Florin Schaffner, Bachelor in Erneuerbare Energien und Umwelttechnik, und Pascal Mühry-Städeli, mit einem Bachelor in Energie- und Umwelttechnik sowie einem Master in Nachhaltiger Wirtschaft und einer Spezialisierung auf Grossspeicher. Florian Angehrn, Mitgründer mit einem Master in Informatik der ETH, verantwortet IT und Buchhaltung. Die operative Geschäftsleitung liegt bei Eliane Zumstein und bei Erik Heinis, der einen Bachelor in Betriebsökonomie sowie einen Master in Corporate Finance mitbringt. Darüber hinaus listet die Website mehr als ein Dutzend weitere Projektleiterinnen und Projektleiter mit unterschiedlichsten Fachhintergründen, von der nachhaltigen Architektur bis zur Elektrotechnik, was für eine Genossenschaft eher nach einem breiten ehrenamtlichen oder freiberuflichen Netzwerk aussieht als nach einer klassischen Angestelltenstruktur, auch wenn die Website selbst keine Beschäftigungsform nennt.

Neben diesen fünf Personen in Präsidium, Geschäftsleitung und Gründung führt die Website eine lange Liste weiterer Projektleiterinnen und Projektleiter, darunter Diego Dreier, der zugleich als Solarteur und Ausbildner auftritt, Natalia Sztankovics mit einem Master in nachhaltiger Architektur, sowie Roland Hauser mit einem Diplom als Elektrotechnik-Ingenieur HTL. Diese Breite an Qualifikationen, von der Architektur über die Elektrotechnik bis zur Betriebsökonomie, spricht dafür, dass die Genossenschaft ihre Projektleitungen nicht aus einem einzigen Berufsstand rekrutiert, sondern gezielt unterschiedliche Fachrichtungen zusammenbringt, die bei einem Selbstbauprojekt alle gebraucht werden, von der technischen Auslegung bis zur Koordination der freiwilligen Helferinnen und Helfer auf der Baustelle.

Die Zahlen, und ein Widerspruch, den die Website selbst produziert

Auf der Startseite wirbt die Genossenschaft mit einer prominent platzierten Kennzahl: 226 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 3'989.8 kWp seien bereits umgesetzt worden, die zusammen schon 9'183'113 kWh Strom produziert hätten. Weiter unten auf derselben Seite, in einem anderen Abschnitt zur Dokumentation des Selbstbaus, schreibt die Genossenschaft dagegen, sie habe bereits über 160 Solaranlagen installiert. Das sind zwei deutlich unterschiedliche Zahlen auf derselben Website, und da nicht erkennbar ist, welche der beiden aktueller oder korrekter ist, geben wir hier beide wieder, statt uns für eine zu entscheiden. Wer sich auf eine dieser Zahlen verlassen will, sollte bei der Genossenschaft direkt nachfragen, welche davon dem aktuellen Stand entspricht.

Unabhängig davon, welche Zahl stimmt, zeigen die Beispielprojekte auf der Website, dass die Anlagen unterschiedlichster Grösse abdecken: ein Flachdach auf einem Einfamilienhaus in Münchenstein, eine 86-kWp-Anlage auf einem gewölbten Falzblechdach eines Industriegebäudes in Seewen SO, realisiert für den Contracting-Partner Verein Sonnenkraft, sowie ein Solar-Carport mit Flachdach in Basel, für den keine Leistungsangabe genannt wird. Der Selbstbau in der Schweiz habe laut Website mittlerweile ein beachtliches Ausmass angenommen, worüber inzwischen sogar eine Dokumentation des Senders ARTE existiere, ohne dass Titel oder Erscheinungsjahr genannt werden.

Kein Verkauf, sondern Vermittlung

Anders als ein klassischer Installateur verkauft die EWG Basel keine fixfertige Anlage zu einem Pauschalpreis. Stattdessen bietet sie eine individuelle Offerte an, die von Dachtyp, Anlagentyp und den konkreten Gegebenheiten abhängt, und fragt im Kontaktformular gezielt nach Dachform, gewünschtem Anlagentyp und danach, über welchen Kanal man auf die Genossenschaft aufmerksam wurde. Eine konkrete CHF-Zahl für eine durchschnittliche Anlage nennt die Website nirgends, ausser dem bereits erwähnten Stundenausgleich von CHF 50, der sich auf die Selbstbauhilfe und nicht auf die Anlage selbst bezieht. Wer eine Fördermöglichkeit sucht, verweist die Website auf ihr Netzwerk und auf die Seite selbstbau.ch, die weitere Selbstbaugenossenschaften der Schweiz auflistet, ein Hinweis darauf, dass die EWG Basel Teil einer grösseren, organisierten Selbstbaubewegung ist und kein Einzelfall.

Für wen sich das Modell eignet

Die Energiewendegenossenschaft Basel passt zu Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern, die handwerklich mitanpacken wollen oder können, Zeit für ein gemeinschaftliches Bauprojekt mitbringen und dafür bei den Kosten sparen möchten, statt die gesamte Installation an eine Fachfirma zu delegieren. Für alle, die eine Solaranlage möglichst ohne eigenen Arbeitsaufwand und mit einer einzigen Fachfirma als Ansprechpartner wollen, ist das Genossenschaftsmodell dagegen weniger passend, hier lohnt sich der Blick auf einen klassischen Installationsbetrieb in der Region eher. Wer sich für den Selbstbau entscheidet, sollte in jedem Fall direkt nachfragen, wie aktuell die eigenen Referenzzahlen der Genossenschaft tatsächlich sind, angesichts der widersprüchlichen Angaben auf der eigenen Website.

Ein Vorbehalt gehört noch dazu: Wer körperlich nicht in der Lage ist, selbst auf einem Dach mitzuarbeiten, oder schlicht keine Zeit für ein mehrtägiges gemeinschaftliches Bauprojekt hat, wird von diesem Modell wenig profitieren, unabhängig davon, wie gut die fachliche Begleitung ist. Die Genossenschaft selbst räumt das implizit ein, indem sie die eigene Zielgruppe klar als Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer beschreibt, die "mitbauen" wollen, nicht als Kundschaft, die eine Dienstleistung komplett einkauft.

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