Rapp AG
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Wer bei Rapp AG anfragt, bekommt am Ende weder eine Solaranlage montiert noch ein Modul verkauft. Rapp ist ein Generalplanungs- und Ingenieurbüro, das für Bauherrschaften rechnet, plant und koordiniert, in diesem Fall für Gemeinden, die vorher wissen wollen, ob und wo sich Photovoltaik auf ihren eigenen Gebäuden überhaupt lohnt, bevor überhaupt eine Installationsfirma ins Spiel kommt.
Was es ist
Rapp AG mit Hauptsitz in Basel beschreibt sich selbst als Unternehmen, das seit Generationen neugierig ist: "Seit über 125 Jahren entwickeln wir zukunftsfähige Lösungen für unsere Auftraggeber:innen", heisst es auf der Startseite. Die Firma ist in vier Wirkungsräumen tätig, Gebäude, Infrastruktur, Umwelt und Mobilität, und deckt innerhalb des Wirkungsraums Gebäude unter anderem Generalplanung, Sanierung, Digitalisierung und BIM ab. Nach eigenen Zahlen beschäftigt Rapp 409 Mitarbeitende aus 28 Nationen, von denen laut Firma 68 Prozent der Arbeitswege mit Velo, öffentlichem Verkehr oder zu Fuss zurückgelegt werden.
Was man bekommt
Im Bereich Photovoltaik zeigt eine eigene Fallstudie der Firma konkret, was Rapp für eine Auftraggeberin leistet: Für die Gemeinde Aesch führte Rapp eine Machbarkeitsstudie zu PV-Anlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden durch, mit dem Ergebnis, dass sich Schulen, Werk- und Gemeindehöfe sowie Mehrzweck- und Turnhallen für eine nachhaltige und rentable Solaranlage eignen, und dass selbst Norddächer mit einem Neigungswinkel bis 20 Grad noch einen lohnenswerten Solarertrag liefern können. Der auf der Website beschriebene Ablauf einer solchen Studie beginnt mit einer Kurzanalyse aller gemeindeeigenen Gebäude, aus der zusammen mit der Gemeinde die Objekte für eine vertiefte Untersuchung ausgewählt werden, mit dem Ziel, mindestens die Hälfte aller grundsätzlich geeigneten Gebäude im Detail zu bearbeiten. In der vertieften Studie simuliert Rapp jedes Dach anhand eines 3D-Modells aus dem eigenen GIS über den gesamten Sonnenverlauf des Jahres, um Verschattung, Einstrahlwinkel und Solarertrag individuell statt über einen pauschalen Online-Rechner zu ermitteln. Am Ende jeder Studie stehen laut Rapp Leistungskennzahlen wie interner Zinsfuss, Kapitalwert, Einmalvergütungskosten, Amortisationszeit, Geldfluss, Gestehungskosten und Investitionskosten für jedes einzelne Gebäude, zusammengefasst in einer Rangfolge von den rentabelsten bis zu den am wenigsten geeigneten Objekten.
Neben der Machbarkeitsstudie führt Rapp auf der eigenen Seite eine "Zusammenschluss zum Eigenverbrauch ZEV"-Plattform als eigenständige Dienstleistung im Wirkungsraum Gebäude auf, verlinkt zusätzlich in der Hauptnavigation als "ZEV-Plattform". Das Beispielprojekt Warteck Invest AG beschreibt Rapp so, dass die Firma im Energiemanagement "alles aus einer Hand" biete, von den Messgeräten über die Zähler bis zur Auswertung im Verbrauchsdatenmanagement.
Was auffällt
Zur Frage, warum ein ZEV oft komplizierter ist als der Bau der Solaranlage selbst, äussert sich Fabian Baerlocher, bei Rapp Leiter Business Development Energie, in einem auf der Startseite verlinkten Interview mit dem Titel "Die Herausforderung beginnt erst, wenn die Solaranlage läuft." Genau dieser Fabian Baerlocher zeichnet auch als Ansprechpartner für die Machbarkeitsstudie in Aesch verantwortlich, was zeigt, dass Rapp die technische Planung einer PV-Anlage und die spätere betriebliche Abrechnung über ein ZEV nicht als getrennte Themen, sondern als ein zusammenhängendes Geschäftsfeld innerhalb der eigenen Energiesparte behandelt. Die Gemeinde Aesch selbst äussert sich in einem Zitat der zuständigen Leiterin für Energie, Umwelt und Landschaft, Dr. Pamela Köllner, positiv über die Zusammenarbeit: "Die Arbeit von Rapp war seriös und fundiert. Die Ergebnisse der Studie fliessen gerade in die Planung des nächsten Jahres ein." Laut Rapp werden weitere vergleichbare Projekte, darunter Energiesachpläne für die Gemeinden Pratteln und Kappel im Kanton Solothurn, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch bearbeitet oder befinden sich in der Offerierungsphase.
Wie es organisiert ist
Rapp tritt als klassisches Generalplanungsbüro mit mehreren benannten Fachpersonen auf, nicht als anonymes Callcenter: Für den Wirkungsraum Gebäude sind auf der Website unter anderem Carmen Bachmann als Leiterin Nachhaltigkeitsberatung und Zoe Fränkle als Projektleiterin Architektur mit eigener Telefonnummer aufgeführt, für die Energiesparte Fabian Baerlocher als Leiter Business Development Energie. Für Photovoltaik-Machbarkeitsstudien wendet sich Rapp laut eigener Darstellung in erster Linie an institutionelle Bauherrschaften wie Gemeinden, nicht an private Einfamilienhausbesitzer, die eine einzelne Dachanlage montiert haben möchten. Innerhalb des Wirkungsraums Gebäude ist die Photovoltaik-Beratung zudem in ein grösseres Angebot eingebettet, das von der Standortentwicklungs- und Potenzialanalyse über Energiekonzepte bis zur Aufzugsplanung reicht, sodass eine Gemeinde bei Bedarf mehrere Fragestellungen rund um ein Gebäude bei derselben Firma bündeln kann, statt für jedes Teilprojekt eine eigene Fachplanerin zu suchen.
Was es kostet
Zu Honoraren für eine Machbarkeitsstudie oder eine ZEV-Einrichtung äussert sich die Website nirgends, was bei einem nach Aufwand oder SIA-Ordnung honorierten Ingenieurbüro nicht unüblich ist. Auch zu einer typischen Amortisationszeit für die von Rapp untersuchten Gemeindegebäude nennt die Website keine pauschale Zahl, die Studie selbst soll diese Zahl laut Beschreibung für jedes Gebäude individuell liefern, nicht die Marketingseite vorab. Wer als Gemeinde eine Offerte für eine solche Studie einholen will, muss dafür direkt Kontakt mit der zuständigen Fachperson im Team Energie-Systeme aufnehmen, eine Preisliste oder ein Kostenrechner-Tool bietet die Website dafür nicht an.
Wie es sich vergleicht
Anders als ein Installationsbetrieb, der eine Anlage plant, verkauft und montiert, bleibt Rapp bei der reinen Beratungs- und Planungsleistung, ohne selbst Module zu verbauen. Das macht die Firma zu einer Ergänzung statt zu einer Alternative für die übrigen Anbieter in dieser Liste: Eine Gemeinde oder ein grösserer Gebäudeeigentümer kann mit Rapp zuerst klären, welche Dächer sich überhaupt lohnen und wie mehrere Nutzniessende den Solarstrom über ein ZEV untereinander abrechnen, bevor überhaupt ein Installateur beauftragt wird.
Für wen sich das eignet
Rapp eignet sich vor allem für Gemeinden, institutionelle Eigentümerinnen und grössere Liegenschaftsverwaltungen, die vor einer Investitionsentscheidung eine unabhängige, auf mehrere Gebäude bezogene Wirtschaftlichkeitsrechnung wollen, sowie für Eigentümerschaften mit mehreren Parteien am selben Netzanschluss, die eine ZEV-Lösung aufbauen möchten. Für eine private Eigenheimbesitzerin mit einem einzelnen Dach dürfte der direkte Weg über einen spezialisierten Installateur in dieser Liste in der Regel einfacher und günstiger sein, schon weil dort Beratung, Planung und Montage aus einer Hand kommen, während bei Rapp die eigentliche Installation anschliessend separat vergeben werden muss.
Fazit
Rapp AG besetzt in diesem Vergleich die Rolle des unabhängigen Planungs- und Beratungsbüros: seit über 125 Jahren am Markt, mit 409 Mitarbeitenden, einer öffentlich dokumentierten PV-Machbarkeitsstudie für die Gemeinde Aesch und einer eigenen ZEV-Plattform für die Abrechnung des Eigenverbrauchs unter mehreren Parteien. Wer eine einzelne Dachanlage sucht, ist bei einem Installateur schneller am Ziel, wer aber als Gemeinde oder institutioneller Eigentümer erst rechnen will, bevor gebaut wird, findet hier eine der wenigen Adressen in der Region, die genau diesen vorgelagerten Schritt professionell anbietet.