EWG-FR
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Die Energiewendegenossenschaft des Kantons Freiburg, kurz EWG-FR, verkauft keine Solaranlage im klassischen Sinn. Sie verkauft eine Mitgliedschaft, die es Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern erlaubt, ihre eigene Photovoltaikanlage selbst zu bauen, mit fachlicher Begleitung statt einem schlüsselfertigen Auftrag an eine Baufirma. Wer bereit ist, selbst aufs Dach zu steigen, findet in dieser nicht gewinnorientierten Genossenschaft einen Weg zur eigenen Anlage, der laut eigener Aussage genau das zum Ziel hat: einen Beitrag zur Energiewende im Kanton Freiburg zu leisten, mit Anlagen, die von den Menschen gebaut werden, die den Solarstrom später selbst nutzen.
Wie die Mitgliedschaft funktioniert
Genossenschafterin oder Genossenschafter wird, wer einen Anteilschein im Wert von CHF 500 erwirbt. Dieser einmalige Betrag ist auf der Website als klare Ziffer genannt, nicht als vage Preisspanne. Im Gegenzug für diese Einlage bekommt man laut Website Zugang zu Fachwissen und personellen Ressourcen sowie zu attraktiven Planungs- und Installationskonditionen, dazu Vorteile bei der Materialbeschaffung über die Genossenschaftskonditionen. Diese Struktur unterscheidet EWG-FR fundamental von einem gewöhnlichen Solarinstallateur: Die Mitgliedschaft selbst ist das Produkt, die eigentliche Anlage bauen die Mitglieder danach mit Unterstützung, zu eigenen Genossenschaftskonditionen für die Materialbeschaffung und zu den auf der Website erwähnten attraktiven Planungs- und Installationskonditionen, ohne dass die Website diese Konditionen selbst in Franken beziffert.
Zwei verschiedene Rollen, nicht eine
Die Website unterscheidet zwei Funktionen, die in den öffentlichen Kurzbeschreibungen der Genossenschaft leicht durcheinandergeraten: Ein EWG-FR-Planer begleitet laut Website die Realisierung der Anlage von A bis Z, legt gemeinsam mit der Bauherrschaft den Installationszeitpunkt fest, stellt die Bewilligungsanträge bei den Behörden, nimmt die Anlage in Betrieb und erstellt die Fertigstellungsmeldung sowie den Förderantrag. Ein Bauleiter dagegen begleitet laut Website konkret den Selbstbau auf dem Dach, in luftiger Höhe, unter Einhaltung der SUVA-Sicherheitsvorschriften. Auf der eigenen Personenliste der Genossenschaft tragen die meisten der 8 namentlich genannten Fachleute allerdings beide Titel gleichzeitig, "Planer / Bauleiter", sodass in der Praxis oft dieselbe Person sowohl die Bewilligungs- und Förderpapiere als auch die Sicherheit auf dem Dach verantwortet. Wichtig ist trotzdem: Eine formale Zertifizierung dieser Personen nennt die Website nirgends, sie beschreibt den Bauleiter lediglich als "versiert", nicht als zertifiziert, weshalb dieser Begriff hier auch nicht verwendet wird.
Was Selbstbau konkret heisst
Als Bauherrin oder Bauherr baut man laut Website mit Hilfe von Familie, Freunden und Nachbarn, den sogenannten Mitbauern, und mit anderen EWG-Mitgliedern, den Selbstbauern, die eigene Anlage von Hand, allerdings mit der Unterstützung eines erfahrenen EWG-Bauleiters. Die Website betont dabei ausdrücklich und wiederholt die Einhaltung der SUVA-Sicherheitsvorschriften, weil die eigentliche Arbeit in der Höhe stattfindet. Wer selbst wenig Zeit oder wenig körperliche Möglichkeit für den eigentlichen Selbstbau auf dem Dach mitbringt, für den beschreibt die Website die Rolle des Bauherrn zusätzlich als rechtlich und wirtschaftlich verantwortlichen Auftraggeber gegenüber der EWG-FR, der Aufträge erteilt und Gerüstbau sowie Elektroinstallation koordiniert, wobei der Planer bei der Suche nach geeigneten externen Fachfirmen für diese zwei Gewerke helfen kann.
Optimierter Eigenverbrauch als eigenes Thema
Neben dem reinen Bauprozess widmet die Website dem Eigenverbrauch einen eigenen Abschnitt. Mittels intelligenter Verbrauchssteuerung, so die Erklärung, lassen sich Boiler, Ladestationen und Wärmepumpen automatisch nach festen Regeln mit dem selbst erzeugten Solarstrom versorgen, was den Bezug von externem Netzstrom senkt. Diese Erklärung bleibt auf einer allgemeinen technischen Ebene, ohne eine bestimmte Steuerungsmarke oder ein bezifferbares Einsparpotenzial zu nennen.
8 Gründungsmitglieder mit Namen
Die About-Seite nennt die Gründungsmitglieder der Genossenschaft namentlich: Vincent Lehmann, Jean-Daniel Goetschi, Baptiste Ecoffey, Grégoire Buntschu, Adrien Buntschu, Remo Bösch, Nicolas Fragnière und Thomas Moeri. Diese Offenheit bei den Gründungspersonen ist bei einer Genossenschaft ohne festes Büro, ohne Empfangsschalter und ohne klassische Firmenadresse ein zusätzliches Vertrauenssignal, weil sich eine interessierte Person die beteiligten Menschen mit vollem Namen direkt ansehen kann, statt nur einem anonymen Vereinsnamen ohne Gesicht zu begegnen.
Zwei Wege der Kontaktaufnahme
Bei der ersten Kontaktaufnahme unterscheidet die Website ausdrücklich zwei Anliegen. Für eine Bitte um Rückruf reicht die eigene Kontaktangabe, allerdings weist die Genossenschaft direkt darauf hin, dass eine Richtofferte wegen begrenzter Ressourcen nicht am Telefon erstellt werden kann. Wer stattdessen eine Anfrage für eine Richtofferte stellt, wird auf ein separates Formular verwiesen, das sorgfältig und nach Möglichkeit mit ergänzenden Angaben im Kommentarfeld ausgefüllt werden soll. Diese Trennung zwischen einer schnellen telefonischen Rückmeldung und einer schriftlich vorbereiteten Kostenindikation liest sich als Reaktion einer nicht gewinnorientierten, knapp besetzten Organisation, die ihre begrenzte Beratungszeit gezielt einsetzen muss.
Statuten und Tarifblatt zum Nachlesen
Auf der About-Seite verlinkt die Genossenschaft direkt die eigenen Statuten, eine Leistungsübersicht, die allgemeinen Geschäftsbedingungen und ein Tarifblatt. Für eine Organisationsform, die in der Schweiz weniger verbreitet ist als der klassische Installationsbetrieb, ist dieser Detailgrad an offen einsehbaren Grundlagendokumenten ein Hinweis auf einen soliden rechtlichen Rahmen hinter dem eher informell wirkenden Selbstbau-Versprechen.
Wissen zum Nachlesen
Auf der Website findet sich zudem ein Wissensbereich mit Begriffserklärungen und häufigen Fragen, etwa zur Funktionsweise einer Photovoltaikanlage: Sonnenlicht wird dort als Umwandlung in Gleichstrom beschrieben, der über den Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt und danach über den Schaltschrank ins Haus eingespeist wird, wo er Geräte wie Lampen oder Fernseher direkt versorgt. Diese Erklärungen richten sich klar an technische Laien, passend zu einer Organisation, deren Mitglieder ganz oft zum allerersten Mal überhaupt selbst eine eigene Anlage bauen.
Was die Website nicht sagt
Eine feste Büroadresse veröffentlicht die Genossenschaft nicht, was zu ihrem Charakter als nicht gewinnorientierte Organisation passt. Eine typische Anlagengrösse in kWp, eine übliche Bauzeit in Tagen oder eine Amortisationsdauer für eine Selbstbauanlage nennt die Website ebenfalls nicht. Auch zur Höhe der Fördersummen, die der Planer laut Website beantragt, macht die Seite keine eigene Angabe.
Für wen sich das eignet
EWG-FR passt zu Eigentümerinnen und Eigentümern im Kanton Freiburg, die handwerklich mithelfen wollen oder können und dabei Geld sparen möchten, ohne auf eine fachliche Begleitung bei Bewilligung, Sicherheit und Förderantrag zu verzichten. Wer eine reine Full-Service-Installation ohne eigene körperliche Mitarbeit sucht, ist bei einem klassischen Solarinstallateur besser aufgehoben als bei einem Selbstbaumodell.
Fazit
EWG-FR bietet im Kanton Freiburg einen ungewöhnlichen, aber klar strukturierten Weg zur eigenen Solaranlage: eine Genossenschaftseinlage von CHF 500, geteilte Verantwortung zwischen einem Planer für Bewilligung und Förderung und einem Bauleiter für die Sicherheit auf dem Dach, und der eigene Körpereinsatz der Bauherrschaft anstelle einer vollständig fremdvergebenen Installation. Wer diesen Aufwand scheut, ist hier falsch, wer ihn sucht, bekommt eine, in den Worten der Genossenschaft selbst, attraktiv konditionierte und namentlich verantwortete Alternative zum klassischen Installateur, mit offen einsehbaren Statuten und einem klar benannten Team im Rücken statt einer anonymen Vereinsstruktur.