Services industriels de Delémont (SID)
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Wer in Delémont eine Solaranlage baut, hat es nicht mit einem freien Installateur zu tun, sondern mit dem eigenen Energieversorger der Stadt. Die Services industriels de Delémont (SID) sind das kommunale Werk für Strom, Wasser und Gas, und genau deshalb tauchen Solarthemen bei ihnen nicht als eigenständiges Verkaufsprodukt auf, sondern eingebettet in ein grösseres Leistungsverzeichnis: Anschlüsse, Zählerwesen, Subventionen, ein Energieportal. Wer sich für Photovoltaik interessiert, findet bei SID vor allem drei Dinge, die ein reiner Installateur so nicht anbieten kann, weil sie an das Netz und an die Gemeinde gebunden sind.
Ein Bürgerdarlehen für erneuerbare Anlagen
Das erste ist ein Finanzierungsmodell namens CitEn, ein Darlehensvertrag der Munizipalität Delémont, über den Einwohnerinnen und Einwohner in eine lokale erneuerbare Anlage investieren können, egal ob sie Mieter oder Eigentümer sind. Die Website nennt die Eckwerte konkret: ein Zinssatz von 2.25 Prozent Rendite auf das Restkapital, der laut Beschreibung je nach Projekt variieren kann, ein Anteil ab CHF 500 mit einem Maximum von CHF 100'000, eine Laufzeit von 25 Jahren ab dem 1. Januar des jeweiligen Jahres und eine jährliche Rückzahlung von einem Fünfundzwanzigstel der geliehenen Summe, dazu eine jährliche Zinszahlung. Das Darlehen läuft also über die Gemeinde, nicht über eine Bank, und der Anleger wird nicht direkt Eigentümer der Solaranlage, sondern Gläubiger eines garantierten Kapitalanlagemodells.
Förderung für thermische Kollektoren, Einspeisevergütung für Photovoltaik
Für thermische Sonnenkollektoren, die Warmwasser aufbereiten oder ein Gebäude mitheizen, zahlt SID nach eigener Angabe CHF 2000 pro Installation. Für Photovoltaikanlagen, bei denen der erzeugte Strom selbst verbraucht und der Überschuss ins Netz von SID eingespeist wird, veröffentlicht die Website eine eigene Einspeisevergütung für 2026, gestaffelt nach Anlagegrösse und Quartal: Für Anlagen unter 30 kW liegt die Mindestvergütung im ersten Quartal bei 10.266 Rappen pro kWh, in den folgenden drei Quartalen bei 6.00 Rappen pro kWh. Für Anlagen zwischen 30 und 150 kW mit Eigenverbrauch liegt sie im ersten Quartal ebenfalls bei 10.266 Rappen, danach zwischen 6.00 und 3.896 Rappen, je nach Publikationsmonat. Dazu kommt eine separate Vergütung für den Herkunftsnachweis von 2.00 Rappen pro kWh. Diese Zahlen sind Tarife eines lokalen Netzbetreibers und keine kantonale oder eidgenössische Subvention, sie gelten also nur für Anlagen, die tatsächlich an das Netz von SID angeschlossen sind. Für den Netzanschluss selbst verweist SID auf ein eigenes Formular zur Beurteilung der Anschlusskapazität sowie auf die Zertifizierung bei Pronovo SA, der nationalen Vollzugsstelle für die Einspeisevergütung.
COMMUNITY: Solarstrom mit den Nachbarn teilen
Das zweite Angebot, das über eine einzelne Anlage hinausgeht, heisst COMMUNITY und richtet sich an das Modell der Communauté d'Autoconsommateurs, das die Website ausdrücklich mit der eidgenössischen Energiestrategie 2050 begründet. Wer bereits eine Photovoltaikanlage besitzt oder eine plant, kann den erzeugten Strom mit den Miteigentümern oder Nachbarn im selben Gebäude oder Quartier teilen, statt ihn einzeln abzurechnen. Laut SID sind solche Gemeinschaften möglich für Mietliegenschaften und Stockwerkeigentum, für Ökoquartiere, Wohnhäuser, Einkaufszentren und Unternehmen, wobei für Unternehmen und Wohnhäuser mindestens zwei Verbrauchs- oder Zählpunkte vorausgesetzt werden. Technisch funktioniert das über eine Auslesung der Zähler alle 15 Minuten, mit der COMMUNITY den Verbrauch jedes Mitglieds möglichst genau bestimmt, je nachdem ob der Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage oder aus dem Netz stammt; jedes Mitglied erhält danach eine eigene Abrechnung mit der entsprechenden Aufteilung. Der Preis für diesen Dienst liegt laut Website bei CHF 2.50 pro Zählpunkt und Monat und deckt die Zählerablesung samt Abrechnungsberechnung, das Hosting und die Bereitstellung der Viertelstundendaten sowie die Rechnungsstellung und das Inkasso.
Im Menü erscheint "Production renouvelable" bezeichnenderweise identisch unter Particuliers und Professionnels, direkt neben CHARG'IMMO, dem Ladeangebot für Elektrofahrzeuge, und Smotion, dem Angebot für intelligente Zählertechnik. Das ist kein Zufall: SID behandelt die eigene Solarförderung als einen von mehreren Bausteinen der Energiewende, die alle über dieselbe Kundenbeziehung laufen, nicht als eigenständiges Verkaufsprodukt mit eigenem Marketing.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen den beiden Finanzierungswegen: CitEn ist ein Kapitalanlagemodell für die ganze Bevölkerung, unabhängig davon, ob die geförderte Anlage auf dem eigenen Dach steht, während die Einspeisevergütung ausschliesslich für Strom gilt, den eine bereits gebaute und angeschlossene Photovoltaikanlage tatsächlich ins Netz von SID liefert. Wer beides kombinieren will, muss zunächst eine eigene Anlage bauen lassen und kann erst danach über die publizierten Tarife abrechnen; CitEn ersetzt diesen Schritt nicht, es finanziert ihn lediglich mit.
Was SID nicht ist
Wichtig für die Einordnung: SID installiert selbst keine Solarmodule und tritt nicht als Solarfirma auf. Wer eine Anlage bauen will, braucht weiterhin einen Installationsbetrieb; SID kommt danach ins Spiel, beim Netzanschluss, bei der Einspeisevergütung, bei der Förderung oder beim Teilen des Stroms mit der Nachbarschaft über COMMUNITY. Wer stattdessen eine schlüsselfertige Montage sucht, findet dazu auf der SID-Website keine Angaben zu Preisen, Lieferzeiten oder Garantieleistungen, weil das schlicht nicht die Rolle eines Netzbetreibers ist.
Der öffentliche Auftritt
Auf der Startseite kombiniert SID die eher trockenen Netzbetreiberthemen mit einer eigenen Maskottchenfigur namens SIDONIE, die als "fée verte", grüne Fee, durch Energiespartipps und Neuigkeiten führt, dazu ein Stromrechner, aktuelle Tarife und laufend aktualisierte Nachrichten, etwa zu Mobilitätsgewohnheiten, zur periodischen Kontrolle elektrischer Installationen nach den Vorgaben der Starkstromverordnung OIBT oder zum lokalen Pedibus-Schulweg. Das ist ungewöhnlich für einen Netzbetreiber und zeigt, dass sich SID nicht nur an Fachleute richtet, sondern aktiv versucht, private Haushalte für das eigene Energieportal und die eigenen Förderprogramme zu gewinnen.
Für wen sich das lohnt
Wer in Delémont oder Umgebung ohnehin schon bei SID Strom, Wasser oder Gas bezieht, sollte vor dem Bau einer Solaranlage prüfen, was SID direkt anbietet, statt es dem eigenen Installateur zu überlassen: die Einspeisevergütung ist an das lokale Netz gebunden und unterscheidet sich von Tarifen anderer Werke, das Bürgerdarlehen CitEn ist eine Alternative zur klassischen Bankfinanzierung, und COMMUNITY lohnt sich vor allem für Mehrfamilienhäuser oder Stockwerkeigentum mit mehreren Parteien, die eine gemeinsame Anlage sinnvoll aufteilen wollen. Für eine einzelne Familie mit einem Einfamilienhaus ist vor allem die Einspeisevergütung relevant, während CitEn und COMMUNITY eher für Eigentümergemeinschaften und Anleger mit lokalem Bezug interessant sind. Wer eine reine Montagefirma sucht, ist bei SID an der falschen Adresse: Die Website tritt konsequent als Netzbetreiberin und Verwalterin der eigenen Fördertöpfe auf, nirgends als Handwerksbetrieb, und nennt an keiner Stelle einen eigenen Montagedienst oder eine eigene Installationsequipe.