Jaeggi Gmünder Energietechnik AG
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Die aussagekräftigste Referenz auf der Website der Jaeggi Gmünder Energietechnik AG ist keine Fotostrecke, sondern eine einzige Zeile: eine Indach-Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 12.2 kWp Peak, bei der im selben Zug Wenger-Fenster eingebaut und eine Thermie-Anlage, also Solarthermie, realisiert wurden. 3 Gewerke an einem Gebäude, koordiniert von einer einzigen Firma, ist genau das Versprechen, das ein Gebäudetechnikbetrieb gegenüber einem reinen Solarinstallateur einlösen kann, und hier lässt es sich an einem konkreten, benannten Projekt nachvollziehen statt nur als Werbesatz stehen zu bleiben.
Die Referenzliste bleibt bewusst kurz und dafür konkret. Neben der Indach-Anlage mit Fenstern und Thermie zeigt sie ein Projekt im Wieshof in Winterthur-Wülflingen, wo Solarthermie, eine Erdsondenbohrung und eine Heizungssanierung an derselben Liegenschaft zusammenkommen, also Sonnenenergie und Erdwärme im selben Auftrag kombiniert wurden. Ein drittes Referenzprojekt beschreibt eine Heizungssanierung mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, ohne Solarbezug. Für eine Firma, die sich als Gebäudetechnikbetrieb versteht statt als reiner Solarinstallateur, ist genau diese Mischung aus Wärmeerzeugung, Erdwärme und Photovoltaik in einer einzigen Referenzliste die eigentliche Aussage: Wer hier anfragt, bekommt nicht zwingend nur ein PV-Angebot, sondern eine Firma, die auch die Heizungsseite eines Sanierungsprojekts mitplanen kann.
Aus der SOLTOP-Ausführungsabteilung hervorgegangen
Die Firma selbst ist jünger, als der Werdegang ihrer beiden Inhaber vermuten lässt. Die Jaeggi Gmünder Energietechnik AG ist im Juli 2015 aus einem Management-Buyout der Ausführungsabteilung der SOLTOP Schuppisser AG entstanden, wobei sämtliche Mitarbeitende sowie alle bestehenden Verträge mit Rechten und Pflichten übernommen wurden. Die heutigen Besitzer und Geschäftsführer, Simon Gmünder und Urs Jaeggi, führen das Geschäft seither als eigenständigen Installationsbetrieb weiter. In die neue Firma sind damit die Erfahrungen aus fast drei Jahrzehnten Pionierarbeit im Solarbereich und in der Haustechnikinstallation eingeflossen, wie es die Firma selbst beschreibt, auch wenn die Website kein genaues Jahr nennt, seit wann diese Pionierarbeit lief. Das gilt für Solarwärme genauso wie für Photovoltaik: Die Seite schreibt, man baue "seit bald 30 Jahren" Sonnenkollektoranlagen zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung und sei "seit fast drei Jahrzehnten" mit Photovoltaikanlagen auf Dächern von Einfamilienhäusern, Schulanlagen und Industriekomplexen aktiv. Beide Angaben sind relative Zeiträume, aus denen sich kein exaktes Gründungsjahr der ursprünglichen Solarabteilung ableiten lässt, weshalb hier bewusst nur das Jahr der heutigen Rechtsform, 2015, als Gründungsdatum geführt wird.
Photovoltaik ist bei JGE eine von 4 klar getrennten Sparten, neben Sanitär, Heizung und Solarwärme, nicht ein Anhängsel des Heizungsgeschäfts. Für die Photovoltaik-Installation selbst beschreibt die Website eine durchgehende Leistung vom Dach bis zum Anschluss in der Hauptverteilung, ergänzt um sämtliche administrativen Nebenarbeiten wie Bewilligungen, Fördergesuche, Beglaubigungen und Abnahmen. Das ist eine konkrete Aussage darüber, was im Leistungsumfang steckt, nicht nur eine allgemeine Beratungsfloskel: Wer die Anlage bei JGE bestellt, muss die Bewilligung bei der Gemeinde und die Anmeldung für Fördergelder nicht selbst einreichen, und auch die Beglaubigung der Installation sowie die technische Abnahme laufen laut Website über denselben Ansprechpartner statt über eine externe Stelle, die separat beauftragt werden müsste.
Speichertechnik: eigener Partner und Fremdmarken
Bei Batteriespeichern positioniert sich die Firma seit Frühling 2016 als Fachpartnerin von sonnen und hat nach eigenen Angaben bereits mehrere Systeme installiert. Gleichzeitig hält die Website fest, man kenne sich auch bei den Speichersystemen von Tesla mit dessen Powerwall, von Varta und von Fronius bestens aus, was eine Vertrautheit mit diesen Marken behauptet, ohne eine bestimmte Anzahl installierter Fremdsysteme zu nennen. Zur sonnenBatterie selbst führt die Seite Herstellerangaben auf: eine mögliche Einsparung von bis zu 80 Prozent der Stromkosten, eine für ein Einfamilienhaus meist ausreichende Startgrösse von 4 oder 6 kWh Speicherkapazität mit späterer Nachrüstoption, eine im Sommer erreichbare Netzunabhängigkeit von 100 Prozent bei entsprechender Dimensionierung als Tagesgangspeicher, eine Position als Marktführer mit 13'000 installierten Systemen und eine Lebensdauer von 10'000 Ladezyklen. Das sind Herstellerangaben zum Produkt sonnenBatterie, wie sie auf der JGE-eigenen Seite wiedergegeben werden, keine unabhängig geprüften Werte und auch keine Zusage von JGE selbst über die tatsächliche Ersparnis im Einzelfall, weshalb ein Interessent sie als Ausgangspunkt für ein Gespräch lesen sollte, nicht als Garantie.
Was fehlt
Zu eigenen Preisen für eine Photovoltaikinstallation, zu Amortisationszeiten oder zu einer festen Anzahl bereits realisierter PV-Anlagen macht die Website keine Angabe. Auch auf der Team-Seite findet sich zwar eine Liste einzelner Mitarbeitender mit Namen und Funktion, aber keine Aussage zur Gesamtzahl der Belegschaft in Worten, weshalb sich daraus keine seriöse Betriebsgrösse angeben lässt. Die Startseite bewirbt zudem einen Solar-Rechner neben einem Heizungs-Rechner und einem Bad-Rechner, also Online-Werkzeuge zur ersten groben Einschätzung, ohne dass die von aussen sichtbare Seite verrät, welche Eingaben diese Rechner konkret verlangen oder wie belastbar ihre Ausgabe ist. Wer eine verbindliche Zahl braucht, kommt an einer persönlichen Offerte ohnehin nicht vorbei, aber ein solcher Rechner ist ein niedrigschwelliger erster Schritt für jemanden, der noch unentschlossen ist, ob sich eine Anfrage überhaupt lohnt.
Wer hier richtig ist
Für Bauherrschaften, die eine Solaranlage nicht als Einzelgewerk, sondern im Zusammenhang mit einer Heizungssanierung, einem Fensterersatz oder einer Erdsondenbohrung planen, ist JGE aufgrund der eigenen Sparten Sanitär, Heizung, Solarwärme und Photovoltaik ein naheliegender Ansprechpartner mit kurzen internen Wegen zwischen den Gewerken. Die Verbindung zur SOLTOP Schuppisser AG als früherer Muttergesellschaft und die selbst beschriebene, fast drei Jahrzehnte lange Erfahrung im Solarbereich stützen den Anspruch, kein reiner Quereinsteiger im PV-Geschäft zu sein, auch wenn sich das genaue Startjahr dieser Erfahrung nicht belegen lässt. Wer ausschliesslich eine reine Photovoltaikanlage ohne weitere Haustechnikarbeiten sucht und primär den Preis vergleichen will, bekommt hier keine öffentlich einsehbare Preisliste, sondern muss wie bei den meisten regionalen Betrieben eine individuelle Offerte einholen.
Dass die einzige ausführlich beschriebene Referenz aus Winterthur-Wülflingen stammt, während der Firmensitz selbst in Elgg liegt, zeigt immerhin, dass der praktische Einsatzradius über den Sitzort hinausreicht, auch wenn die Website selbst kein festes Einzugsgebiet als Liste von Ortschaften nennt. Wichtiger als die geografische Reichweite ist an dieser Firma die Konsequenz, mit der sie das eigene Gebäudetechnik-Selbstverständnis auf allen Ebenen durchzieht: von der Menüstruktur mit 4 gleichrangigen Sparten über die administrative Begleitung einer Photovoltaikinstallation bis zur Referenzliste, die Solarthermie, Erdwärme und Photovoltaik nebeneinander statt getrennt zeigt. Das macht JGE zu einer sinnvollen ersten Anlaufstelle gerade dann, wenn eine Solaranlage Teil eines grösseren Sanierungsvorhabens ist, und zu einer weniger offensichtlichen Wahl, wenn ausschliesslich ein Dach mit Modulen belegt werden soll und sonst nichts am Haus verändert wird, weil sich der Mehrwert der Gebäudetechnik-Breite in diesem engeren Fall kaum auszahlt.