RUTZ Gruppe AG
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Ein Betrieb, der seit 1939 Kamine baut, ist nicht die naheliegendste Adresse für eine Photovoltaikanlage, und genau das macht die RUTZ Gruppe AG interessant. Die Website beschreibt sich selbst als schweizweit führenden Kaminbauer, der sich zu einem Anlagenbauer für Solaranlagen und E-Mobility-Ladelösungen entwickelt hat. Das ist keine Umbenennung eines Start-ups, sondern der dokumentierte Wandel eines Schweizer Familienunternehmens mit 45 Mitarbeitenden über einen Zeitraum von mehr als 80 Jahren.
Vom Kamin zur Solaranlage
Die eigene Selbstbeschreibung ist unverblümt: Der Nachhaltigkeit verpflichtet, habe sich die Firma vom schweizweit führenden Kaminbauer zum Anlagenbauer von Solar- und E-Mobility-Lösungen entwickelt. Kamine sind dabei nicht verschwunden, sondern werden als dritte Sparte neben Solar und E-Mobility weitergeführt, jetzt als massgefertigte Kaminanlagen, die die Website ausdrücklich in den Rahmen einer nachhaltigen Energieversorgung stellt statt sie als reines Altgeschäft abzutun. Diese Kontinuität, nicht der Bruch, ist der eigentliche Unterschied zu einem Solarinstallateur, der erst mit der Energiewende entstanden ist: RUTZ hat schon vor der eigenen Umstellung Jahrzehnte lang Handwerk auf Dächern und an Fassaden betrieben, bevor Photovoltaik überhaupt zum Geschäftsmodell wurde.
Die Firma ist heute an drei Standorten präsent, mit dem Hauptsitz an der Wibachstrasse 3 in Rümlang sowie Niederlassungen an der Olsbergerstrasse 2 in Rheinfelden und an der Burstwiesenstrasse 53 in Greifensee, womit sie sowohl das Gebiet um Zürich als auch das Fricktal im Kanton Aargau abdeckt. Für Kundschaft an beiden Enden dieses Einzugsgebiets bedeutet das einen Ansprechpartner vor Ort, statt eine Anlage nur aus der Ferne beraten zu bekommen. Bezeichnend für die Struktur der Gruppe ist auch, dass E-Mobility auf der Über-uns-Seite als eigenständiger Verweis zu einer eigenen RUTZ-E-Mobility-Website geführt wird, neben dem Link zur RUTZ-Gruppen-Website selbst: Die Solar-Sparte ist Teil eines grösseren Firmengefüges mit mehreren eigenen Marktauftritten statt eines einzigen, alles überspannenden Webauftritts.
Der Umzug vom Kaminbau zur Solartechnik betrifft ausdrücklich nicht die Rechtsform oder den Eigentümerkreis: Die Website bezeichnet RUTZ weiterhin als Familienunternehmen, was bei einem 45-köpfigen Betrieb mit drei Standorten und einer über 80 Jahre alten Geschichte kein Kleinbetrieb mehr ist, aber offenbar auch keine Publikumsgesellschaft mit externen Investoren.
Ein Ansprechpartner für den ganzen Ablauf
RUTZ beschreibt den eigenen Prozess als Gesamtlösung aus einer Hand, von der Beratung über Planung und Projektierung bis zur vollständigen Montage, Installation und Inbetriebnahme, mit einem einzigen Ansprechpartner, einer Schnittstelle und einer Verantwortlichkeit für Kosten, Termine und Qualität. In der Beratungsphase steht laut Website eine Besichtigung des Objekts samt Bestandsaufnahme am Anfang, wobei Ausrichtung und Aufbau des Dachs sowie die persönlichen Bedürfnisse der Kundschaft die Planung bestimmen. In der Phase Planung und Bewilligung erstellt die Firma eine Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsberechnung und übernimmt die Abklärungen und Formalitäten mit Energieversorger, Bauämtern, Feuerpolizei und Netzbetreiber, was für Bauherrschaften den administrativen Teil eines Solarprojekts erheblich reduziert.
Bei den Förderbeiträgen verspricht die Website konkret, bei der Pronovo-Einmalvergütung sowie bei zusätzlichen Förderprogrammen von Gemeinde oder Energieversorger zu helfen, ohne dazu eine Zahl zu einer konkreten Förderhöhe zu nennen, was angesichts der von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlichen Programme nachvollziehbar ist. Nach der Montage und Inbetriebnahme durch eigene Spezialisten bietet RUTZ laut eigener Beschreibung eine Nachbetreuung mit Energieberatung, Anlagenbetreuung und Servicearbeiten an, was die Beziehung zur Kundschaft über den reinen Installationsauftrag hinaus verlängert.
Der Solarrechner und seine Grenzen
Wie viele grössere Anbieter stellt RUTZ einen eigenen Online-Solarrechner bereit, mit dem sich in wenigen Klicks eine erste Offerte erstellen lässt. Bemerkenswert ist, dass die Website die Grenze dieses Werkzeugs offen benennt: Der Rechner ist auf Anlagen bis 30 Kilowattpeak ausgelegt, für grössere Anlagen, etwa im Gewerbe, wird die Berechnung persönlich erstellt. Diese Ehrlichkeit über die eigenen Werkzeuggrenzen ist selten, weil die meisten Solarrechner-Landingpages den Eindruck erwecken, für jede Anlagengrösse eine sofortige Antwort liefern zu können, unabhängig davon, ob ein Einfamilienhausdach oder eine Gewerbehalle dahintersteht.
Die Website nennt sich zudem Swissolar-zertifiziert, was einer Fachverbandsmitgliedschaft mit eigenen Qualitätsanforderungen entspricht, allerdings ohne weitere Details dazu, welche konkreten Kriterien RUTZ dafür erfüllt oder seit wann die Zertifizierung besteht. Für Laien ist ein solches Label ohnehin schwer selbst zu prüfen, weshalb es vor allem als Hinweis dient, bei Bedarf gezielt danach zu fragen, statt es unbesehen als Qualitätsgarantie zu nehmen.
Was fehlt
Zu eigenen Preisen für eine Photovoltaikanlage, zu einem Preis pro Kilowattpeak oder zu einer typischen Amortisationszeit äussert sich die Website nicht. Auch konkrete Referenzprojekte mit Leistungsangaben, wie sie andere Anbieter zeigen, fehlen auf der Über-uns-Seite; die Firma verweist stattdessen auf separate Referenzen-Bereiche für Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus und Gewerbe, ohne dass sich daraus einzelne, benannte Projekte mit Zahlen extrahieren liessen. Zur Pronovo-Einmalvergütung, dem gesetzlich verankerten Fördermechanismus des Bundes für neue Photovoltaikanlagen, verspricht die Website Unterstützung bei der Beantragung, nennt aber keinen Prozentsatz und keinen Frankenbetrag, mit dem eine Anlage typischerweise rechnen könnte. Wer eine grobe Hausnummer für die eigene Investition sucht, findet sie auf dieser Seite nicht und muss stattdessen den beschriebenen Beratungsweg über eine Objektbesichtigung gehen.
Auch zu den einzelnen Personen hinter der Firma, etwa der aktuellen Geschäftsleitung oder einer Nachfolgeregelung innerhalb der Eigentümerfamilie, schweigt sich die Über-uns-Seite aus. Für ein Unternehmen, das seine über 80-jährige Geschichte so betont in den Vordergrund stellt, ist das eine auffällige Lücke: Die Erzählung bleibt auf Ebene der Firma als Ganzes stehen, ohne Namen zu nennen, die eine Kundschaft nach einer Kontinuität über Generationen hinweg fragen könnte.
Für wen sich das eignet
Wer eine Solaranlage mit E-Mobility-Ladeinfrastruktur kombinieren will oder Wert auf einen etablierten, seit 1939 bestehenden Handwerksbetrieb mit klar beschriebenem Ablauf legt, findet bei RUTZ einen Anbieter, der die eigene Geschichte nicht verschweigt, sondern offensiv mit ihr wirbt. Die Kombination aus langer Firmengeschichte, 45 Mitarbeitenden und drei Standorten in zwei Kantonen macht die Gruppe für grössere oder komplexere Projekte, etwa im Gewerbe, ebenso interessant wie für ein einzelnes Einfamilienhaus. Wer ausschliesslich eine möglichst günstige Standardanlage ohne Beratung sucht, für den ist der ausführlich beschriebene, mehrstufige Beratungsprozess möglicherweise mehr Aufwand, als er oder sie eigentlich will.
Für Eigentümerschaften, die zusätzlich eine Kaminsanierung oder einen Kaminneubau planen, ergibt sich bei RUTZ ein Nebeneffekt, den kein reiner Solarinstallateur bieten kann: Dieselbe Firma, die die Photovoltaikanlage auf dem Dach montiert, kennt sich mit dem, was mitten durch dieses Dach führt, ebenfalls aus. Ob sich daraus in der Praxis kombinierte Aufträge ergeben, sagt die Website nicht ausdrücklich, aber die organisatorische Nähe der beiden Sparten innerhalb derselben Gruppe liegt auf der Hand.