Solergy GmbH
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Solergy dreht das übliche Solargeschäft um: Statt einem Hausbesitzer eine eigene Anlage zu verkaufen, baut und betreibt die Firma Solaranlagen auf fremden, gemieteten Dächern und finanziert sie, indem sie einzelne Anteile an konkreten Anlagen an Investorinnen und Investoren verkauft. Die eigene Startseite bringt es auf den Punkt: "We build and operate solar plants on rented roofs and provide affordable electricity." Wer ein Dach besitzt, aber nicht investieren will, bekommt so trotzdem eine Anlage; wer investieren will, aber kein eigenes Dach hat, kann sich stattdessen an einer bestehenden Anlage beteiligen.
3 Rollen, ein Modell
Solergy stellt auf der Startseite gleich 3 mögliche Rollen zur Auswahl: "Building owner", "Investor" und "Tenant". Ein Gebäudeeigentümer, der über eine eigene Solaranlage nachdenkt, wird laut Website auf einen kostenlosen "Free Solar Guide for Roof Owners" verwiesen, der allgemeine und kantonsspezifische Informationen zum Thema enthalten soll. Wer stattdessen als Investor einsteigen möchte, wird zu einer Erklärung geführt, warum sich eine Solarinvestition in der Schweiz finanziell lohnen könne, inklusive der von Solergy selbst aufgeworfenen Fragen nach der tatsächlichen Umweltbilanz von Produktion und Entsorgung der Module. Für Mieterinnen und Mieter eines Gebäudes mit Solergy-Anlage verspricht die Website Zugang zu günstigerem Solarstrom, ohne dass die Website selbst einen konkreten Tarif dafür nennt.
Die konkreten Investitionsprojekte
Anders als bei vielen Wettbewerbern bleibt Solergy hier nicht bei allgemeinen Aussagen: Die Website listet unter "Featured Projects" 8 konkrete Anlagen mit Ort, Gebäudetyp und exaktem Anteilspreis inklusive Mehrwertsteuer. Auf einem 11-Parteien-Mehrfamilienhaus in Muhen (AG) kostet ein Anteil CHF 750, auf einem 8-Parteien-Gebäude am selben Ort CHF 1'125. In Tatroz (FR) kostet ein Anteil an einer Anlage auf einem Bauernhaus CHF 510, im waadtländischen Missy CHF 505 und im freiburgischen Le Crêt CHF 400. Ein 9-Parteien-Gebäude in Menziken (AG) verlangt CHF 1'231 pro Anteil, während die Anlagen auf Bauernhäusern in Bassecourt (JU) und Vicques (JU) mit CHF 625 beziehungsweise CHF 550 pro Anteil ausgeschrieben sind. Diese Streuung über 5 Kantone (Aargau, Freiburg, Waadt und 2-mal Jura) zeigt, dass Solergy nicht nur in einer Region aktiv ist, sondern gezielt einzelne Gebäude in unterschiedlichen Landesteilen für die eigene Anteilsfinanzierung auswählt.
Was ein Anteil konkret bedeutet
Die Website beschreibt die Investorenrolle so: Wer Anteile kauft, "profitiert vom Verkauf des Stroms" der jeweiligen Anlage. Was genau ein Anteil in Kilowattpeak oder in einem Anteil am Jahresertrag bedeutet, wie eine Auszahlung erfolgt oder wie lange eine Beteiligung läuft, nennt die Startseite selbst nicht; dafür verweist sie auf eine Detailseite pro Projekt ("View details"), die für diese Bewertung nicht zusätzlich geöffnet wurde. Die genannten Preise selbst stammen direkt von der Featured-Projects-Übersicht und sind damit gesichert, die dahinterliegenden Vertragsbedingungen dagegen nicht.
Wie sich das von klassischem Dach-Contracting unterscheidet
Bei den beiden OptimaSolar-Genossenschaften oder bei SOLVEST übernimmt jeweils eine einzelne Organisation Planung, Finanzierung und Betrieb komplett aus eigenen oder genossenschaftlichen Mitteln. Solergy zerlegt diese Finanzierungsseite dagegen in einzelne, öffentlich bepreiste Anteile pro Projekt, die von beliebig vielen Einzelinvestorinnen und -investoren gekauft werden können. Für den Gebäudeeigentümer ist das Ergebnis dasselbe wie bei einem klassischen Dach-Contracting: eine Anlage ohne eigenes Kapital. Für die Finanzierungsseite bedeutet es aber, dass nicht eine einzelne Firma das gesamte Kapital bereitstellt, sondern ein Pool aus Kleininvestoren, was das Modell näher an eine Crowdfunding-Plattform als an ein klassisches Energieversorgungsunternehmen rückt. Die Website selbst zieht diese Grenze nicht explizit, die Struktur der Featured-Projects-Seite mit Einzelanteilen statt einer Gesamtsumme legt sie aber nahe.
Adresse und rechtliche Form
Auffällig ist, dass Solergy auf der zweisprachigen (Englisch/Deutsch) Startseite keine physische Geschäftsadresse veröffentlicht. Genannt werden nur ein Kontaktformular mit Pflichtfeldern für Anrede, Name, E-Mail, Telefon und Nachricht sowie ein Hinweis auf eine reCAPTCHA-Absicherung des Formulars. Die Firma tritt als "SOLERGY GmbH" auf, wie der Copyright-Vermerk im Footer zeigt, ohne dass daraus ein Handelsregistereintrag oder eine Adresse ableitbar wäre. Diese Lücke wird hier offen benannt statt mit einer vermuteten Adresse gefüllt.
Nachhaltigkeitsrahmen
Solergy verortet sein eigenes Geschäftsmodell ausdrücklich im Rahmen der Sustainable Development Goals der UNO und beschreibt sich selbst als Vermittlerin zwischen Immobilienbesitzern, Mieterinnen, Investoren und Energieversorgern. Das eigene Team beschreibt die Website als "intergenerational and multidisciplinary", ohne dazu eine Mitarbeiterzahl in Worten zu nennen; eine solche Zahl wird hier deshalb auch nicht übernommen. Die Website betont zudem, dass Gebäudeeigentümer durch das Modell weder eine grössere Investition noch den administrativen Aufwand einer eigenen Anlage tragen müssten, was mit der eingangs zitierten Kernaussage übereinstimmt.
Für wen sich das eignet
Für einen Gebäudeeigentümer ohne eigenes Kapital, der trotzdem eine Solaranlage auf dem Dach haben will, bietet Solergy nach eigener Beschreibung genau das Contracting-Modell, das diese Kategorie definiert: keine eigene Investition, keine eigene Betriebsverantwortung. Für Anlegerinnen und Anleger mit kleinerem Budget ist das Modell insofern zugänglich, als die genannten Anteile ab CHF 400 beginnen, deutlich unter dem, was eine komplette eigene Dachanlage kosten würde. Wer dagegen volle Kontrolle über die eigene Anlage und deren Erträge behalten will, findet bei Solergy naturgemäss kein passendes Angebot, weil die Firma selbst Eigentümerin und Betreiberin bleibt.
Sprache und Zielgruppe
Die Website ist primär auf Englisch gehalten, mit einer wählbaren deutschsprachigen (Schweiz) Version und einem automatischen Hinweis, der Besucherinnen und Besuchern bei erkannter anderer Spracheinstellung einen Sprachwechsel anbietet. Das deutet darauf hin, dass sich Solergy sowohl an internationale Investorinnen und Investoren als auch an Schweizer Gebäudeeigentümer richtet, anders als die rein deutsch- oder französischsprachigen Genossenschaften in dieser Kategorie. Auch die Auswahl der Projektstandorte, quer über die Kantone Aargau, Freiburg, Waadt und Jura verteilt, passt zu einem Modell, das nicht an eine einzelne Region gebunden ist, sondern dort baut, wo sich ein passendes Dach und genügend Anteilskäuferinnen und -käufer finden.
Fazit
Solergy verbindet das klassische Contracting-Versprechen, ein Dach ohne eigene Investition mit einer Solaranlage zu versehen, mit einem ungewöhnlich transparenten Investoren-Schaufenster: 8 konkrete Projekte mit exakten Anteilspreisen von CHF 400 bis CHF 1'231 über 5 Kantone hinweg. Was fehlt, ist eine physische Geschäftsadresse und eine klare Erklärung der Vertragsbedingungen hinter einem Anteil, etwa Laufzeit oder Auszahlungsmodus. Für einen ersten Überblick über das Prinzip reicht die Startseite, für eine tatsächliche Investitions- oder Verpachtungsentscheidung braucht es die einzelnen Projektdetailseiten und ein direktes Gespräch mit der Firma selbst, gerade weil weder Rendite noch Laufzeit eines Anteils öffentlich vorgerechnet werden.