Free State AG
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Free State AG wirbt mit "Erfahrung seit 2008" und stellt im gleichen Atemzug klar: "Free State AG ist neu." Die eigene Zeitleiste löst den scheinbaren Widerspruch auf: 2008 installierte das heutige Team seine erste Solaranlage, von 2008 bis 2024 baute es Anlage um Anlage, und erst im November 2024 wurde daraus die Free State AG mit Sitz in Schaffhausen. Wer die Firma bewertet, bewertet also ein neu gegründetes Unternehmen mit einem Team, das nach eigener Aussage schon seit 2008 Solaranlagen baut, nicht eine 2024 komplett neu zusammengestellte Mannschaft.
4 Wege zur eigenen Solaranlage
FreeState beschreibt sein Angebot je nach Website-Bereich mit unterschiedlichen Namen, im Kern aber als 4 Modelle. Für Einfamilienhäuser bietet die Firma auf ihrer Startseite 3 Varianten an: SolarFree, SolarAbo und SolarDirect. Bei SolarFree zahlt der Kunde laut eigenen Angaben keine Anfangsinvestition, erhält einen festen, planbaren Stromtarif und hat Betrieb, Wartung, Versicherung und ein 24-Stunden-Monitoring inklusive. Der Vertrag ist bei einem Hausverkauf übertragbar, und die Anlage kann laut Website jederzeit zurückgekauft werden. Bei SolarAbo gehört die Anlage von Anfang an dem Kunden, finanziert über feste Monatsraten über 25 Jahre statt einer Einmalzahlung, ebenfalls inklusive Rundum-Service. SolarDirect ist der klassische Kauf zum vollen Eigentum, mit Herstellergarantien, 10 Jahren Handwerksgarantie, 10 Jahren Dachgarantie und laut Website bis zu CHF 1'500 Online-Rabatt. Auf der separaten Unternehmensseite beschreibt FreeState dieselbe Angebotslogik noch einmal breiter gefasst als Solar-Abo für Einfamilienhäuser, Solar-Contracting für Unternehmen, Dachvermietung für grosse Industrie- und Landwirtschaftsflächen sowie den direkten Anlagenkauf. Die beiden Seiten benennen die Modelle unterschiedlich, beschreiben in der Sache aber dasselbe Baukastenprinzip aus Miete, Abo und Kauf, nur einmal konsumentennah und einmal nach Zielgruppe gegliedert.
Batterie, Wärmepumpe und Ladestation aus einer Hand
FreeState kombiniert die Solaranlage optional mit einem Batteriespeicher von Huawei, den die Website mit einer Steigerung des Eigenverbrauchs von 30 auf bis zu 80 Prozent bewirbt, dazu eine optional buchbare Notstromfunktion bei Netzausfall und eine Speichergrösse von 5 bis 30 kWh, laut eigener Angabe jederzeit erweiterbar. Für Wärmepumpen setzt die Firma auf die Marken Viessmann und NIBE, für Ladestationen wieder auf Huawei-Hardware. Ein eigener FusionSolar-App-Zugang erlaubt laut Website die Echtzeitverfolgung von Erzeugung, Speicher und Verbrauch.
3 benannte Referenzprojekte mit Leistungsangaben
FreeState veröffentlicht 3 konkrete Referenzprojekte mit Zahlen: Bei der Diggelmann Bau AG in Laupen ZH wurde eine Anlage mit 75.25 kWp und 164 Modulen zu je 460 Wp installiert, mit Huawei-Wechselrichter und bedarfsgerechtem Huawei-Speicher samt Energiemanagement. Bei der Stiftung Wetterbaum in Frauenfeld steht eine Aufdachanlage mit 134.06 kWp und 292 Modulen zu je 460 Wp, ebenfalls mit Huawei-Wechselrichter und -Speicher. Beim Bowling Five in Thayngen realisierte FreeState eine 230-kWp-Anlage mit 500 Modulen zu je 460 Wp, diesmal mit Sofar-Stringwechselrichtern und einem 256-kWh-ESS-Speicher, laut Website ausgelegt auf hohe Abend- und Nachtlasten zur Optimierung von Eigenverbrauch und Lastmanagement. Diese 3 Fälle zeigen, dass FreeState sowohl kleinere Gewerbeanlagen als auch grössere Speicherprojekte tatsächlich umsetzt, nicht nur bewirbt.
Auf der Startseite zeigt FreeState ausserdem 2 kürzere, unbezifferte Kundenbewertungen ohne Leistungsangabe: Rivero Pineda Leonardo berichtet von perfekt genutzten Scheunendächern, Jason Ackles lobt Kompetenz, Zuverlässigkeit und eine reibungslose Kommunikation.
Standorte, auch in St. Gallen
FreeState nennt auf der eigenen Unternehmensseite 3 Standorte: den Hauptsitz an der Stettemerstrasse 40 in Schaffhausen, ein Büro an der Bordacherstrasse 2 in Zürich und eines an der Schmiedgasse 5 in St. Gallen. Für Kundinnen und Kunden in der Ostschweiz bedeutet das einen Ansprechpartner vor Ort, auch wenn der juristische Sitz der Firma in Schaffhausen liegt. Gegründet wurde die Firma laut eigener Darstellung von Ivan Miric, aus der Beobachtung heraus, dass Energiepreise steigen, viele Haushalte und Unternehmen aber nicht selbst in eine Anlage investieren wollen oder können, woraus die Abo- und Contracting-Modelle entstanden seien.
Die Unternehmensnavigation führt neben Über uns und Geschichte & Entwicklung auch die Punkte Investoren & Partnerschaften und Karriere. Das deutet darauf hin, dass sich FreeState trotz der jungen Aktiengesellschaft bereits als wachstumsorientiertes Unternehmen positioniert, das sowohl externes Kapital als auch neues Personal ansprechen will, nicht nur als lokaler Handwerksbetrieb. Welche Investoren tatsächlich beteiligt sind oder wie viele Stellen offen sind, verrät die Website an dieser Stelle allerdings nicht, die Menüpunkte selbst waren zum Zeitpunkt der Recherche nicht abrufbar.
Was das Produktmenü sonst noch abdeckt
Über die 3 Hauptmodelle hinaus zeigt die eigene Navigation, dass FreeState das Thema breiter denkt, als die Startseite auf den ersten Blick verrät. Unter Solaranlagen führt die Firma eigene Unterseiten zu Funktionsweise, Kosten, Amortisation, einer eigenen Carport-Solaranlage, einem Solarrechner, Service, Stromspeicher und, bemerkenswert, zur Anlagenerneuerung, also der Ablösung bestehender, älterer Photovoltaikanlagen. Bei Wärmepumpen gibt es eine eigene Unterseite zur Kombination Wärmepumpe mit Solaranlage, bei Ladestationen wird zwischen Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus und bidirektionalem Laden unterschieden, jenem Verfahren, bei dem ein E-Auto Strom nicht nur bezieht, sondern bei Bedarf auch wieder zurück ins Haus einspeisen kann. Diese Unterseiten selbst waren zum Zeitpunkt der Recherche nicht abrufbar, ihre blosse Existenz im Menü zeigt aber, dass FreeState über die 3 beworbenen Privatkundenmodelle hinaus auch Bestandsanlagen, Mehrfamilienhäuser und bidirektionales Laden als eigene Themen führt, nicht nur als Schlagworte.
Was die Website nicht sagt
Einen konkreten Preis pro kWp oder eine Amortisationsdauer nennt FreeState nirgends, auch keine Angaben zu kantonalen Fördersätzen oder zur Höhe der Einmalvergütung. Bekannt sind nur die Rabatt- und Bonusgrössen: bis zu CHF 1'000 Empfehlungsbonus und bis zu CHF 1'500 Online-Rabatt bei SolarDirect sowie 5 Prozent Rabatt im beworbenen Familienangebot. Wer eine konkrete Kostenschätzung will, kommt also nicht um ein persönliches Beratungsgespräch herum. Als 2024 gegründete Aktiengesellschaft hat FreeState als eigenständige juristische Person zudem noch keine lange eigene Handelsregistergeschichte, auch wenn das dahinterstehende Team schon länger im Geschäft ist.
Für wen sich FreeState eignet
FreeState passt am besten zu Eigenheimbesitzern in der Ostschweiz, die eine Solaranlage wollen, aber keine Anfangsinvestition tätigen können oder wollen und dafür bereit sind, sich über SolarFree langfristig an einen festen Stromtarif zu binden. Wer stattdessen sofort volles Eigentum an einer Anlage haben will, findet mit SolarDirect eine klassische Kaufoption mit Garantien und Rabatt. Für Unternehmen mit grossen Dachflächen sind Solar-Contracting und Dachvermietung interessant, wie die realisierten Projekte bei der Stiftung Wetterbaum und beim Bowling Five in Thayngen zeigen. Wer dagegen unbedingt eine Firma mit einer jahrzehntelangen eigenen Handelsregisterhistorie sucht, muss berücksichtigen, dass die Free State AG als Rechtsträger erst seit November 2024 besteht, auch wenn die praktische Erfahrung dahinter deutlich weiter zurückreicht.