Technische Betriebe Wil (DeineEnergie)
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DeineEnergie ist nicht die Website einer Solarfirma, sondern die Kundenplattform der Technischen Betriebe Wil (TBW), des städtischen Energieversorgers. Das merkt man an der Aufmachung: neben Solarstrom stehen Elektromobilität, Wärme und Energiegemeinschaften gleichberechtigt im Menü, dazu ein Preisrechner, der das Solarpotenzial eines Gebäudes und den Bedarf an Ladestationen in wenigen Klicks schätzt. Wer ein Dach in Wil besitzt oder als TBW-Netzkundin zählt, bekommt hier keinen einzelnen Installationsbetrieb, sondern einen Ansprechpartner, der drei unterschiedliche Wege zur eigenen Solaranlage anbietet und sich danach auch noch um Abrechnung und Fernüberwachung kümmert.
3 Wege zur Solaranlage
Der auffälligste Punkt der Seite ist, dass sie das Solargeschäft in 3 getrennte, klar benannte Modelle aufteilt statt eine einzige Dienstleistung zu bewerben.
Beim Kauf (Solaranlage kaufen) übernimmt TBW die Beratung und berechnet zunächst das Solarpotenzial des Gebäudes. Danach holt TBW Offerten bei regionalen Partnerfirmen ein, und die Kundschaft wählt selbst aus, welcher Betrieb die Anlage baut. TBW selbst tritt hier als Vermittler und späterer Betriebsführer auf: Reicht der produzierte Solarstrom nicht, liefert TBW den Rest ab Netz, produziert die Anlage einen Überschuss, kauft TBW ihn ab.
Das Mietmodell (Solaranlage mieten) läuft technisch fast identisch, mit einem Unterschied, der finanziell den Ausschlag gibt: TBW finanziert die Anlage. Auch hier holt TBW Offerten bei regionalen Partnern ein, begleitet nach eigener Aussage "den kompletten Bauprozess" und übernimmt anschliessend Betrieb und Abrechnung. Wer kauft, bindet eigenes Kapital, wer mietet, verlagert die Investition auf TBW, in beiden Fällen bauen aber die gleichen regionalen Partnerbetriebe.
Beim dritten Modell, Dach vermieten, dreht sich die Rollenverteilung um. Hier ist TBW selbst der Auftragnehmer, baut die Anlage auf einem fremden Dach und speist den erzeugten Strom direkt ins eigene Netz ein, statt ihn der Eigentümerschaft zu überlassen. Im Gegenzug erhält die Dachbesitzerin oder der Dachbesitzer einen vertraglich vereinbarten Mietzins für die überlassene Fläche, die Seite nennt daneben auch einen "Prestige-Gewinn" für die Liegenschaft. Planung, Bau, Betrieb und Finanzierung liegen in diesem Modell vollständig bei TBW, keine dritte Baufirma ist beteiligt. Das ist der klare Unterschied zu den ersten beiden Modellen: Wer sein Dach vermietet, verkauft keinen Strom und finanziert keine Anlage, sondern vermietet reine Fläche.
Solar Community für alle ohne eigenes Dach
Nicht jede und jeder, der in Wil wohnt, besitzt ein geeignetes Dach oder überhaupt ein Dach. Für diesen Fall betreibt DeineEnergie die Solar Community: TBW baut Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden, und wer als Wilerin oder Wiler mitmacht, bezieht daraus eigenen Solarstrom, ohne selbst zu bauen oder zu besitzen. Der Ablauf ist ein einmaliger Beitrag, wofür TBW anschliessend 20 Jahre lang Solarstrom gutschreibt. Die Seite gliedert das in 4 Schritte: Beteiligung an einer Anlage, Solarstromproduktion (die Umwandlung von Sonnenlicht in Strom), Stromversorgung (die Lieferung an die Teilnehmenden) und Vergütung, also die 20 Jahre lange Gutschrift selbst. Aktuell ist die "Solaranlage Gegentribüne Bergholz" als laufendes Projekt gelistet, allerdings ohne Angabe zur Anlagenleistung in kWp oder zur Teilnehmerzahl auf der Seite selbst, dazu lässt sich also nichts Konkretes sagen.
Energieberatung mit echtem Preis
Über das reine Solargeschäft hinaus bündelt DeineEnergie eine ganze Beratungsschiene: eine kostenlose Erstberatung, eine kostenlose Impulsberatung, eine Funktion zum Aufspüren von "Stromfressern", eine Strategieberatung für Unternehmen, dazu die GEAK-Beratung und den digitalen Energieausweis. Der Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) wird von einer namentlich genannten Fachperson angeboten, Christoph Strassmann, Energieberater und GEAK-Experte, und liefert laut Seite eine Einschätzung der Energieklassen von Gebäudehülle und Gebäudetechnik samt CO2-Emissionen, konkrete Sanierungsempfehlungen und einen Überblick über kantonale Förderprogramme.
Beim digitalen Energieausweis, der dieselben Energieklassen in 7 Stufen von A (sehr gut) bis G (schlecht) darstellt, veröffentlicht die Seite sogar einen Preis: Die Beratung kostet CHF 5'500, der Kanton St. Gallen fördert sie mit CHF 4'500, sodass CHF 1'000 an Eigenkosten verbleiben. Der Ausweis selbst umfasst laut Seite die relevanten Gebäude- und Kenndaten, eine grafische Darstellung der Energieklassen, Angaben zu den Treibhausgasemissionen sowie eine fachliche Einschätzung samt Unterschrift der zuständigen Energieberaterin oder des Energieberaters, plus eine verständliche Erklärung der Einstufung für Laien. Das ist eine der wenigen Stellen im ganzen Solargeschäft dieser Region, wo ein Anbieter eine Zahl statt einer Umschreibung nennt, und sie lässt sich direkt auf der Seite nachlesen. Für die Solarmodelle selbst, ob Kauf, Miete oder Dachvermietung, veröffentlicht DeineEnergie dagegen keine Preise, Mietzinshöhen oder Vertragslaufzeiten; wer eine Hausnummer sucht, muss die individuelle Offerte abwarten, die laut Ablaufbeschreibung erst nach der ersten Beratung entsteht.
Auch Mobilität und Wärme
Die Solarseite ist nur ein Viertel des Angebots. Unter Mobilität richtet sich DeineEnergie an dieselben Zielgruppen wie beim Solargeschäft, von Einfamilienhaus-Eigentümerinnen über Stockwerkeigentümergemeinschaften bis zu Gewerbebetrieben, dazu kommt eine eigene Rubrik für öffentliches Laden und für Generalunternehmen. Zusätzlich bietet die Seite Lastmanagement an: Laden mehrere Fahrzeuge gleichzeitig, reicht die Leistung des Netzanschlusses oft nicht für alle, ein Lastmanagementsystem verteilt sie dann so, dass trotzdem jedes Fahrzeug lädt. Unter Wärme und Energiegemeinschaften verweist die Seite auf weitere FAQ-Bereiche und einen "LEG-Check" zur Prüfung lokaler Energiegemeinschaften, ohne dass sich daraus eigene Zahlen oder Verfahren ableiten liessen, die über die Solarmodelle hinausgehen. Wer diese Themen gebündelt braucht, spart sich mehrere Ansprechpartner; wer nur Solarstrom sucht, kann die übrigen Menüpunkte schlicht ignorieren.
Wer hierher gehört
Diese Plattform lohnt sich vor allem für alle, die ohnehin an das TBW-Netz angeschlossen sind, also im Kernversorgungsgebiet Wil, denn die Solar-Community und die Rückspeisung des Solarstroms sind ausdrücklich an "Wilerin oder Wiler" bzw. an das TBW-Netz geknüpft. Wer weiter weg wohnt, aber trotzdem an einer neutralen Zweitmeinung zu GEAK oder Energieausweis interessiert ist, wird auf der Seite selbst nicht ausdrücklich ausgeschlossen, die genannten Förderbeiträge (Kanton St. Gallen) gelten aber klar für den eigenen Kanton. Wer sich zwischen Kauf und Miete nicht entscheiden kann, findet mit dieser Seite zumindest die Gegenüberstellung an einem Ort, samt der ungewöhnlichen dritten Option, das eigene Dach ganz TBW zu überlassen und stattdessen einen Mietzins zu kassieren.
Fazit
Der grösste Pluspunkt ist die Auswahl selbst: kaufen, mieten oder das Dach vermieten sind drei echte, unterschiedliche Verträge mit unterschiedlicher Kapitalbindung, nicht drei Marketingnamen für dasselbe Angebot, und die Rollen von TBW und den regionalen Partnerbetrieben bleiben in jedem Modell klar getrennt. Der grösste Wermutstropfen ist die Zurückhaltung bei Zahlen: Ausser beim digitalen Energieausweis nennt die Seite keine Preise, Mietzinsen oder Vertragslaufzeiten, sodass ein Vergleich mit anderen Anbietern erst nach dem ersten Beratungsgespräch möglich ist. Für ein städtisches Energieunternehmen mit direktem Netzzugriff ist das nachvollziehbar, wer aber vorab kalkulieren will, muss diese Lücke einplanen.