Energie Genossenschaft Schweiz
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Die Energie Genossenschaft Schweiz ist keine gewöhnliche Firma, sondern eine Genossenschaft, die Solaranlagen für ihre eigenen Mitglieder baut. Statt einem einzelnen Standort betreibt sie regionale Montageteams in Bern, Winterthur und Luzern, und veröffentlicht dazu ungewöhnlich detaillierte Zahlen zur eigenen Bautätigkeit.
Was es ist
Auf der eigenen Website beschreibt sich die Organisation als Genossenschaft, die Solaranlagen "lokal gebaut, genossenschaftlich gedacht" realisiert. Zur Gründung macht die Website zwei unterschiedliche Angaben, die sich nicht restlos decken: An einer Stelle heisst es als Überschrift "Solaranlagen der Energie Genossenschaft Schweiz, seit 2011", während im Fliesstext direkt darunter und auch weiter oben auf der Startseite steht: "Seit 2012 planen und installieren wir Photovoltaikanlagen" beziehungsweise "Seit 2012 bauen wir mit Leidenschaft und Pioniergeist Ihre Solaranlage". Die Website widerspricht sich damit selbst zwischen 2011 und 2012, ohne dass sich aus dem Text ableiten liesse, welches der beiden Jahre zutrifft, etwa Gründung der Genossenschaft im einen Jahr und Beginn der eigentlichen Bautätigkeit im anderen.
Was man bekommt
Die Genossenschaft baut Photovoltaikanlagen auf Flach- und Steildächern, auf Garagendächern und auch an Balkonen. Neben der klassischen Eigenverbrauchsanlage bietet sie Lösungen für Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV, vZEV, LEG und EVG) sowie einen eigenen Solarspeicher zur Erhöhung der Autarkie an. Unter dem Namen "ADEgeranium" führt die Website zudem ein Balkonkraftwerk als eigenes Produkt, und unter "Stromallmend" ein dezentrales Kraftwerkskonzept, an dem sich laut Website 205 Prosumer beteiligen. Von der Antragstellung bis zur Zertifizierung will die Genossenschaft ihre Mitglieder persönlich begleiten.
Zu den eigenen Kennzahlen macht die Website ungewöhnlich präzise Angaben: Die installierten Solaranlagen kommen zusammen auf 5379 Kilowattpeak Gesamtleistung, versorgen 2152 Haushalte mit Solarstrom und werden von 491 Genossenschafterinnen und Genossenschaftern getragen. Diese drei Zahlen stehen prominent und unabhängig voneinander auf der Startseite, jeweils mit eigener Beschriftung, was für ein gewisses Mass an Transparenz gegenüber Interessierten spricht, wie es reine Verkaufsfirmen in dieser Liste selten bieten.
Wie es organisiert ist
Statt eines einzelnen Firmensitzes mit angestellten Monteuren arbeitet die Genossenschaft mit "erfahrenen regionalen Planungs- und Montageteams" an drei Standorten: Bern, Winterthur und Luzern. Das Sekretariat ist an der Schönburgstrasse 48 in Bern eingetragen. Die Website zeigt zudem einen laufenden Feed mit einzelnen Bauprojekten der jeweiligen Solarteams, unter anderem eine Fassadenanlage in Dietlikon mit vertikal montierten Solarmodulen, eine neue Anlage in Utzigen mit 16.32 Kilowattpeak Leistung auf dem Dach und einer Batterie mit einer Kapazität von 15.8 Kilowattstunden, sowie eine Anlage in Rickenbach mit 20.4 Kilowattpeak, verteilt auf 32 Module des Herstellers Aiko und 14 weitere reflexionsarme Module von Longi.
Dieser Projekt-Feed unterscheidet die Energie Genossenschaft Schweiz von den meisten übrigen Anbietern in dieser Liste, die höchstens eine handvoll ausgewählter Referenzprojekte zeigen. Hier lässt sich stattdessen laufend mitverfolgen, welches Team gerade wo arbeitet, mit welchen Komponenten und teils sogar mit welchem Wechselrichter- oder Speicherhersteller. Für die Anlage in Utzigen etwa nennt die Website ausdrücklich den Wechselrichter Fronius Verto und eine zusätzliche Notstromumschaltbox im Keller, während für Rickenbach ein grösserer Fronius Verto 15.0 zusammen mit einer Fronius Reserva 9.5 Batterie sowie einer Fronius Wattpilot Ladestation und einem Fronius Backup Controller für den Notstromfall aufgeführt werden. Solche technischen Details tauchen bei anderen Anbietern in dieser Kategorie kaum in dieser Ausführlichkeit auf und geben Interessierten eine konkrete Vorstellung davon, mit welchen Marken die Genossenschaft tatsächlich arbeitet, statt nur allgemein von "hochwertiger Technik" zu sprechen.
Was auffällt
Neben der Gründungsjahr-Unstimmigkeit zwischen 2011 und 2012 fällt auf, dass die Genossenschaft eine vierte Kennzahl neben Gesamtleistung, versorgten Haushalten und Mitgliederzahl veröffentlicht: 205 Prosumerinnen und Prosumer, die am Projekt "Stromallmend" beteiligt sind, einem dezentralen Kraftwerkskonzept. Die Website erklärt allgemein, dass die meisten Photovoltaikanlagen den selbst erzeugten Strom tagsüber nur zu 30 bis 40 Prozent selbst nutzen, weil der Grossteil ins Netz eingespeist werde, und positioniert einen Solarspeicher als Lösung für diese Lücke.
Aus den einzelnen Projektmeldungen der Solarteams lässt sich zudem ablesen, dass die Genossenschaft nicht nur Photovoltaikmodule verbaut, sondern auch Zusatzkomponenten wie Notstromumschaltboxen, Wärmepumpen-Ladegeräte für E-Autos und Systeme zur Warmwassererwärmung mit überschüssigem Solarstrom anbietet, wie ein Projekt in Sigriswil mit einer Batteriespeicherung von 15.8 Kilowattstunden zeigt.
Was es kostet
Zu Preisen für eine Solaranlage oder eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft äussert sich die Startseite nicht. Interessierte werden auf eine individuelle Solar-Offerte verwiesen. Auch zu den Kosten des Solarspeichers oder der Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch fehlt eine konkrete Zahl auf der Website. Wer sich für die Genossenschaft interessiert, muss also ebenso wie bei einer klassischen Firma zuerst eine individuelle Offerte einholen, bevor sich ein realistisches Budget seriös planen lässt.
Für wen sich das eignet
Wer den genossenschaftlichen Gedanken schätzt und lieber Teil einer Organisation mit offengelegten Kennzahlen wird, statt bei einer gewinnorientierten Firma zu bestellen, findet in der Energie Genossenschaft Schweiz eine Alternative mit Teams in Bern, Winterthur und Luzern gleichzeitig. Die Balkonkraftwerk-Lösung ADEgeranium richtet sich zudem an Mieterinnen und Mieter oder Stockwerkeigentümer ohne eigenes Dach, eine Zielgruppe, die viele reine Dach-Installateure in dieser Liste gar nicht bedienen. Wer dagegen eine reine Anlage ohne genossenschaftliche Mitgliedschaft und mit einem einzigen klaren Gründungsjahr auf der Website sucht, sollte die widersprüchliche Angabe zwischen 2011 und 2012 im Erstgespräch ansprechen.
Auch für Liegenschaften mit mehreren Parteien am selben Netzanschluss kann die Genossenschaft interessant sein, weil sie Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch ausdrücklich als eigenes Angebot führt und damit Erfahrung mit der komplexeren Abrechnung zwischen mehreren Bewohnerinnen und Bewohnern mitbringt. Für ein einzelnes Einfamilienhaus ohne besondere Anforderungen an Rechtsform oder Mitgliedschaft bleibt der Unterschied zu einer klassischen Installationsfirma in der Praxis eher gering, da am Ende ebenfalls ein reguläres Montageteam vor Ort die Anlage baut.
Fazit
Die Energie Genossenschaft Schweiz baut Solaranlagen als Genossenschaft statt als klassische Firma, mit Teams in Bern, Winterthur und Luzern und mit ungewöhnlich offen kommunizierten Zahlen: 5379 Kilowattpeak installierte Leistung, 2152 versorgte Haushalte und 491 Mitglieder. Zum eigenen Gründungsjahr widerspricht sich die Website zwischen 2011 und 2012, ein Punkt, den die Organisation selbst klären sollte, der aber nichts an der sichtbaren, laufenden Bautätigkeit über mehrere Kantone hinweg ändert. Wer bereit ist, diese eine offene Frage im Erstgespräch selbst zu klären, bekommt dafür einen ungewöhnlich transparenten Einblick in laufende Projekte samt verwendeter Technik, wie ihn kaum ein anderer Anbieter in dieser Kategorie öffentlich zeigt.