GLB Genossenschaft
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Wer bei GLB Genossenschaft eine Solaranlage sucht, landet nicht bei einem reinen Photovoltaikbetrieb, sondern bei einer Baugenossenschaft aus dem Emmental, die praktisch jedes Gewerk rund ums Haus abdeckt und Photovoltaik als einen Baustein unter vielen führt, gebündelt unter der eigenen Marke GLB green line, dem Gesamtkonzept zur energetischen und ökologischen Sanierung. Der laufend aktualisierte Projektfeed auf der eigenen Startseite zeigt, wie breit das Tagesgeschäft tatsächlich ist: Badezimmersanierungen, Küchenumbauten, Fassaden- und Dachsanierungen, Stallumbauten und Neubauten dominieren, Photovoltaik taucht nur vereinzelt auf, etwa als "Dachsanierung mit PV-Module" oder "Aufdach-Photovoltaikanlage", meist im Verbund mit einer ohnehin geplanten Dacharbeit.
Was es ist
GLB Genossenschaft, wie sie sich seit 2018 offiziell nennt, ist als Genossenschaft organisiert und deckt nach eigener Aussage Energieeffiziente Sanierung, Neubau, Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus, Gewerbe- oder Industriebau, Ökonomiebau sowie ländlichen Wohnungsbau ab. Ergänzend bietet die Firma einen HausCheck an, eine professionelle Prüfung der eigenen Liegenschaft, mit der sich laut eigener Beschreibung mögliche Probleme frühzeitig erkennen und teure Folgeschäden vermeiden lassen. Eine Preisangabe dazu fehlt auf der öffentlichen Seite ebenso wie für jede andere Dienstleistung. Auf der Startseite begrüsst zudem eine als "MIA" bezeichnete virtuelle Beraterin die Besucher und bietet an, bei einer Badezimmerplanung als Ausgangspunkt zu helfen, ein Chatbot-Feature, das eher zum Badezimmer- und Innenausbau-Geschäft der Firma passt als zur Photovoltaik, aber zeigt, wie breit das digitale Angebot neben der reinen Website bereits aufgestellt ist.
Photovoltaik bei der GLB
Die Chronik der Firma, veröffentlicht auf einer eigenen Unterseite, datiert den Einstieg ins Solargeschäft präzise auf das Jahr 2013: "Ausbau des Geschäftsbereichs Energie: Auf den Dächern der Werkhöfe Emmenmatt, Gwatt und Langenthal werden grosse Photovoltaik-Anlagen mit insgesamt mehr als einem Megawatt Leistung installiert. Weitere Anlagen folgen in den nächsten Jahren." Das ist ein ungewöhnlich konkreter Beleg, weil die GLB damit zuerst auf den eigenen Betriebsgebäuden baute, bevor sie das Geschäft für Kundschaft ausrollte, und weil die Zahl mehr als ein Megawatt für 2013 eine beachtliche Grössenordnung für eine einzelne Genossenschaft ist. Im Jahr 2022 ergänzte die Gruppe das Angebot um eine eigene Firma namens Enicon, die laut Chronik ein "rundum Sorglospaket im Bereich der Energieplanung" anbietet, was nahelegt, dass die eigentliche Energieplanung inzwischen über diese Tochtergesellschaft läuft statt direkt über die GLB Genossenschaft selbst. Wie genau sich das Angebot von Enicon zu dem der GLB green line abgrenzt, sagt die Seite nicht, weshalb sich diese Aufteilung von aussen nicht vollständig nachvollziehen lässt.
Die Genossenschaft und was eine Mitgliedschaft kostet
Anders als die meisten Firmen in dieser Liste ist die GLB rechtlich eine Genossenschaft, ursprünglich unter dem Namen "Genossenschaft für leistungsorientiertes Bauen" gegründet, ein Name, der laut eigener Chronik 2018 als zu lang für die Praxis befunden und zu "GLB Genossenschaft" verkürzt wurde. Eine Mitgliedschaft steht allen natürlichen und juristischen Personen offen, die sich mit den Zielen der Genossenschaft identifizieren, sowie öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen. Sie kostet als einmalige Zahlung einen Anteilschein von 100 Franken und verpflichtet zu einer Solidarhaftung von maximal 1000 Franken. Im Gegenzug erhalten Mitglieder einen Mitgliederausweis mit Kreditkartenfunktion für bessere Einkaufskonditionen, Unterstützung durch GLB-Fachleute, Maschinen und Geräte bei Eigenleistungen am Bau, 4 Ausgaben jährlich des Mitgliedermagazins "Unter uns" sowie Teilnahme- und Mitspracherecht an der Generalversammlung, inklusive Mittagessen und je nach Geschäftsgang einem Wertgutschein für GLB-Leistungen. Diese Konditionen sind ausdrücklich Mitgliedschaftsbedingungen und keine Kosten für eine konkrete Solaranlage, aber sie zeigen, dass eine Zusammenarbeit mit der GLB auch eine genossenschaftliche Komponente hat, die ein gewöhnlicher Installationsbetrieb nicht kennt.
Standorte
Die Website nennt einen Hauptsitz in Langnau im Emmental und, entgegen einer verbreiteten verkürzten Aufzählung, die nur 5 weitere Standorte nennt, tatsächlich 6 weitere Niederlassungen: Berner Mittelland mit Sitz in Thörishaus, Emmental mit Sitz in Emmenmatt, Oberaargau mit Sitz in Langenthal, Seeland mit Sitz in Lyss, Thun/Oberland mit Sitz in Gwatt und Zürich Land mit Sitz in Hinwil. Der Standort Emmental in Emmenmatt fehlt in einer solchen verkürzten Aufzählung oft, weil er geografisch nahe am Hauptsitz in Langnau liegt, ist aber gemäss der eigenen Kontaktseite eine eigenständige Adresse mit eigener Telefonnummer. Insgesamt ergibt das 7 Adressen, nicht 6, unter denen die GLB im Kanton Bern und im angrenzenden Zürcher Oberland präsent ist.
Geschichte in Kürze
Die öffentlich einsehbare Chronik der Firma zeichnet eine Reihe von Übernahmen und Erweiterungen nach, die über reine Photovoltaik weit hinausgehen. 2010 wurde die Abteilung "Gesamtdienstleistung Bau" ausgebaut, mit Fokus auf Bau und Sanierung von Mehrfamilienhäusern. 2011 wurde Oberaargau mit Sitz in Langenthal laut eigener Chronik zur damals 6. GLB-Region. 2017 übernahm die Gruppe die IP-Holding AG aus Heimberg mit den Firmen Bauimpuls AG, BernaRoof AG und Christen Holzbau AG, um die Kompetenzen im Dach- und Fassadenbau zu stärken, und gründete im selben Jahr die eigenständige Firma asag für Asbest- und Schadstoffsanierungen. 2021 kam mit der Übernahme der Atmoshaus AG aus Sempach eine Verstärkung im Neubau- und Projektentwicklungsbereich hinzu. Diese Abfolge zeigt eine Genossenschaft, die über Jahrzehnte durch Zukäufe spezialisierter Firmen gewachsen ist, statt organisch nur ihr Kerngeschäft auszubauen, und in die Photovoltaik nur einer von mehreren Bausteinen ist.
Was die Seite nicht sagt
Zu Preisen äussert sich die Website an keiner Stelle, weder für eine Solaranlage noch für eine Dachsanierung, einen HausCheck oder eine allgemeine Bausanierung. Es gibt keine Richtpreise, keine Angaben zu Leistung oder Kosten der seit 2013 installierten Photovoltaikanlagen über die eine genannte Gesamtzahl von 2013 hinaus, und keine öffentlich zugänglichen Referenzprojekte mit konkreten kWp-Angaben für Kundenanlagen. Wer eine Vorstellung vom Preisniveau haben will, muss über eine der 7 Adressen direkt Kontakt aufnehmen.
Für wen sich das eignet
Wer ohnehin eine grössere Sanierung plant, ein Bad, eine Fassade, ein Dach, und die Solaranlage im selben Aufwasch realisieren will, profitiert bei der GLB von einer Organisation, die praktisch jedes benötigte Gewerk selbst oder über eine ihrer Tochterfirmen abdeckt. Wer ausschliesslich eine reine, schnell umgesetzte Photovoltaikanlage ohne weitere Bauarbeiten sucht, findet bei spezialisierten, kleineren Solarinstallateuren in dieser Liste vermutlich einen direkteren Weg, weil PV bei der GLB im Portfolio erkennbar sichtbar, aber zahlenmässig nicht der Schwerpunkt ist. Wer sich zusätzlich für die genossenschaftliche Struktur mit Mitspracherecht an der Generalversammlung interessiert, findet mit der GLB eine der wenigen Firmen in dieser Liste, bei denen eine Geschäftsbeziehung auch eine Mitgliedschaft mit eigenen Rechten und einer eigenen Haftung sein kann, nicht nur ein Kundenverhältnis.