EWD Elektrizitätswerk Davos AG

Talstrasse 35, CH-7270 Davos Platz · seit 1893

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

Auf der Website der EWD Elektrizitätswerk Davos AG steht in grossen Buchstaben ein Datum, das die meisten Solarfirmen im Kanton nicht einmal in der Nähe erreichen: seit 1893 ist EWD Davos zuverlässiger Partner für Energieversorgung. Die Gemeinde Davos ist alleinige Aktionärin der EWD AG, wie das Unternehmen anlässlich der jüngsten Generalversammlung selbst mitteilte, und das prägt den Charakter der Firma bis heute: EWD ist Netzbetreiber, Energieversorger und, seit einigen Jahren zunehmend, auch Solarinstallateur für die eigene Kundschaft.

Solaranlagen selbst planen, montieren, warten

Anders als reine Elektriker mit einer Solarsparte hat EWD eine eigene Produktions- und Contracting-Abteilung. Auf der Solar-Seite der Website heisst es unmissverständlich: Mit EWD Solar ist es so einfach wie nie, eine eigene Solaranlage zu installieren, die Firma begleite Kundschaft während des gesamten Projekts. Ergänzt wird das Angebot um Batteriespeicher, damit tagsüber produzierter Solarstrom auch abends und nachts genutzt werden kann, sowie um eine Wartung aus einer Hand: Sichtkontrolle der Module, Komponenten, Kabelführung und Unterkonstruktion, Funktionskontrolle inklusive Wechselrichter, Reinigung der Module zur Ertragsoptimierung und eine DC-Messung zur Erkennung von Fehlerquellen und Leistungsverlusten. Zwar besteht laut EWD für Photovoltaikanlagen keine gesetzliche Wartungspflicht, aber besonders nach Stürmen oder an staubigen Standorten lohnt sich laut Website eine regelmässige Kontrolle. Ansprechpartner für Solarfragen ist Fabian Vogelbacher, stellvertretender Abteilungsleiter Produktion und Contracting.

Für ihre eigenen Referenzprojekte veröffentlicht EWD ungewöhnlich genaue technische Daten. Die von EWD selbst als «90° bifaziale Winterstromanlage» bezeichnete Referenz aus dem Jahr 2024 leistet 6.66 Kilowattpeak und soll pro Jahr 7'400 Kilowattstunden produzieren. Eine 2022 gebaute Anlage an Balkongeländer und Fassade, ebenfalls für mehr Winterstromproduktion ausgelegt, kommt auf 4.74 Kilowattpeak und 4'300 Kilowattstunden Jahresproduktion. Eine dritte, ebenfalls 2022 errichtete Anlage an einer Stallfassade erreicht 27.65 Kilowattpeak bei einer prognostizierten Jahresproduktion von 15'000 Kilowattstunden. Alle drei Referenzen sind an vertikalen oder steil geneigten Flächen montiert, was in einer schneereichen Region wie Davos Sinn ergibt: Ein senkrechtes Modul setzt im Winter weniger Schnee an und produziert gerade dann Strom, wenn horizontale Module unter einer Schneedecke liegen.

Wer sich für eine eigene Plug-and-Play-Anlage interessiert, findet auf der Website eigene Unterlagen zur Anmeldung, allerdings ohne öffentlich einsehbare Preisangaben. Konkrete Kosten für eine Solaranlage nennt EWD auf der Website nicht, was angesichts der individuellen Faktoren wie Dachfläche und Ausrichtung nachvollziehbar, für eine erste grobe Einschätzung aber ein Nachteil gegenüber Anbietern mit veröffentlichten Referenzpreisen ist.

Solarprofi-Zertifikat als Qualitätsnachweis

EWD wirbt selbst damit, «Solarprofi» zu sein: «Die Solarprofis®» ist nach eigener Beschreibung ein Qualitätslabel für zertifizierte Unternehmen, die Solaranlagen unter Berücksichtigung der geltenden Gesetze und der allgemein anerkannten Regeln der Technik ausführen. Für Kundschaft, die die fachliche Qualifikation eines Anbieters nicht selbst beurteilen kann, ist das ein extern vergebenes Gütesiegel und keine reine Eigenwerbung.

Parsenn Solar: Konsortialprojekt statt Alleingang

Deutlich grösser als jede einzelne Kundenanlage ist Parsenn Solar, ein alpines Photovoltaikprojekt im Parsenngebiet oberhalb von Davos. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich nicht um ein reines EWD-Projekt. Laut eigener Medienmitteilung sind Swisspower und mehrere Partnerunternehmen daran beteiligt, EWD ist eines davon. Eine kürzlich installierte Testanlage soll wichtige Erkenntnisse für den Bau der Gesamtanlage liefern, während die Baugenehmigung durch den Kanton Graubünden bis Ende Jahr erwartet wird. Die Testanlage ist damit bereits in Betrieb, während die eigentliche Grossanlage noch von einer kantonalen Genehmigung abhängt.

Mehr als nur Solar

Solar ist bei EWD nur eines von mehreren Produkten. Die Firma bietet auch Wärmelösungen für Liegenschaften, ein Energieoptimierungsprogramm namens Optima und Beratung zu Ladelösungen für Elektromobilität an, basierend auf der jeweiligen Elektroinstallation und den Anforderungen der Kundschaft. Bereits seit 2016 betreibt EWD öffentliche Elektro-Ladestationen in Davos, und zählt heute nach eigener Angabe 11 Ladesäulen mit 29 Ladepunkten im gesamten Gemeindegebiet. Dazu kommen klassische Netzdienstleistungen: Strompreise, Eigenverbrauchslösungen, Flexibilitäten, Netzanschlüsse einschliesslich temporärer Anschlüsse für Baustellen oder Veranstaltungen, periodische Kontrollen und Messwesen.

EWD ist auch an Infrastrukturprojekten jenseits von Strom beteiligt, die zeigen, wie stark das Unternehmen als kommunaler Vollversorger auftritt. Zusammen mit Swiss FibreCo AG und Swisscom baut EWD an einer nahezu flächendeckenden Glasfasererschliessung der Gemeinde Davos, auf Basis eines bereits unterzeichneten, verbindlichen Vorvertrags; die Bauarbeiten haben laut Medienmitteilung begonnen und sollen bis Ende 2028 abgeschlossen sein. Ökologisch engagiert sich EWD daneben bei der Fischwanderhilfe Chummen an der Landwasser, wo die Bauarbeiten für eine Fischauf- und Fischabstiegshilfe wegen der saisonal niedrigen Wasserabflüsse am 10. März 2025 wieder aufgenommen wurden.

Technisch zeigt sich EWD auch abseits der Solarsparte innovationsfreudig: Für die eigene Mittelspannungsanlage hat das Unternehmen als weltweit erstes eine F-Gas-freie Anlage vom Typ 8DAB24 blue GIS von Siemens eingesetzt. Bei den Strompreisen für 2027 rechnet EWD über alle Kundengruppen mit einer Erhöhung von rund 2 Prozent, nachdem für 2026 bereits eine Erhöhung von rund 1.5 Prozent kommuniziert wurde, jeweils mit einem konkreten Rechenbeispiel für eine 5-Zimmer-Wohnung der ElCom-Verbrauchskategorie H4.

Führung und Grösse

An der 25. Generalversammlung der EWD AG nahm die Gemeinde Davos als Alleinaktionärin nach eigener Darstellung des Unternehmens ein überaus erfreuliches Jahresergebnis 2025 zur Kenntnis. An der operativen Spitze steht seit Kurzem Andy Kollegger als Vorsitzender der Geschäftsleitung, unterstützt von Fabio Bühler als neuem Leiter Energie und Vertrieb. Eine Kundenumfrage aus dem Jahr 2022 attestierte EWD laut eigener Meldung eine grosse Mehrheit zufriedener Kundinnen und Kunden. Als Ausbildungsbetrieb bietet EWD ab August 2026 neu auch eine Lehrstelle als Mediamatiker EFZ an, zusätzlich zu den bestehenden Lehrstellen im technischen Bereich, was für einen Betrieb dieser Grösse auf eine gewisse organisatorische Tiefe abseits der reinen Energieproduktion hindeutet.

Für wen sich EWD eignet

EWD eignet sich vor allem für Davoser Eigenheim- und Liegenschaftsbesitzer, die ihre Solaranlage, deren spätere Wartung und den bestehenden Netzanschluss bei derselben, ohnehin bereits bekannten Ansprechpartnerin bündeln wollen, statt einen externen Installateur mit dem lokalen Werk koordinieren zu müssen. Das Solarprofi-Zertifikat und die detailliert dokumentierten, vertikal montierten Winterstromanlagen sprechen für technische Kompetenz gerade in einer schneereichen Lage. Wer sich für die grössere Vision hinter Parsenn Solar interessiert, sollte wissen, dass dies ein Konsortialprojekt mit Swisspower ist und nicht allein von EWD gestemmt wird, und dass die Baugenehmigung beim Redaktionsschluss noch ausstand. Einzig konkrete Preisangaben für eine private Solaranlage bleiben Verhandlungssache, da die Website dazu keine Zahlen veröffentlicht, anders als beim Netzstrom selbst, wo eigene Medienmitteilungen die jährliche Preisentwicklung mit Rechenbeispiel offenlegen.

Mehr aus Graubünden

Alle ansehen