Repower
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Repower ist kein klassischer Solarinstallateur, sondern ein Energiekonzern, dessen Geschichte im äussersten Süden Graubündens beginnt, im Puschlav. Am 14. Juni 1904 wurde dort unter dem Namen Kraftwerke Brusio (KWB) das erste Hochdruckkraftwerk mit dem Lago di Poschiavo als Speicher in Betrieb genommen, damals das grösste seiner Art auf dem europäischen Kontinent. Die Bündner Kraftwerke AG in Klosters kam 1918 dazu, die Rhätischen Werke für Elektrizität in Thusis 1920, und 1948 verband eine neue 150-kV-Hochspannungsleitung über Bernina- und Julierpass die verschiedenen Werke technisch miteinander. Im Jahr 2000 schlossen sich diese drei ursprünglich getrennten Unternehmen zur Rätia Energie AG zusammen, zehn Jahre später erfolgte die Umbenennung in Repower. Der Hauptsitz des heutigen Konzerns liegt weiterhin in Poschiavo, auch wenn das Unternehmen seit der Fusion und der Übernahme der Rezia Energia Italia in Mailand 2002 längst über die Kantonsgrenze hinaus tätig ist. 2018 gründete der Konzern zusätzlich die Sparte Repower Renewable, und 2024 nahm er das gesamterneuerte Wasserkraftwerk Robbia wieder in Betrieb, ein Hinweis darauf, dass die eigene Wasserkraft neben der Solarsparte weiterhin eine tragende Rolle spielt.
Zwei getrennte Wege zur Solaranlage
Für Solarinteressenten unterscheidet Repower klar zwischen zwei Modellen, sichtbar bereits in der Navigation der eigenen Website: "Solaranlage bauen" und "Solar Contracting" stehen als zwei separate Menüpunkte nebeneinander, nicht als Varianten desselben Angebots. Wer selbst investieren und Eigentümer der Anlage werden will, lässt sich die Solaranlage von Repower bauen. Wer stattdessen eine grössere Dachfläche besitzt, ohne selbst investieren zu wollen, kann sie im Rahmen des Solar Contracting an Repower vermieten.
Beim Solar Contracting installiert und betreibt Repower als Vertragspartnerin die Solaranlage komplett auf eigene Kosten. Der Gebäudeeigentümer bezieht im Gegenzug Solarstrom zu einem vorteilhaften, fixen Preis und erhält zusätzliche Einnahmen aus der Dachvermietung, ohne Investitions-, Betriebs- oder Wartungskosten zu tragen. Das Modell richtet sich klar an grössere Verbraucher: Voraussetzung sind eine zusammenhängende Dachfläche von mehr als 1000 Quadratmetern und ein jährlicher Stromverbrauch von über 100 Megawattstunden, was ein normales Einfamilienhaus deutlich übersteigt. Während der gesamten Vertragslaufzeit dürfen zudem keine Dachsanierungen oder Umnutzungen erfolgen, die die Anlage beeinträchtigen könnten. Repower übernimmt dafür die komplette Abwicklung von der Machbarkeitsprüfung über die Planung bis zur laufenden Wartung und der finanziellen Vermarktung des nicht selbst verbrauchten Solarstroms.
Drei Referenzprojekte mit echten Zahlen
Wie konkret dieses Contracting-Modell in der Praxis aussieht, zeigen drei auf der Website dokumentierte Projekte. Beim Center Fontauna in Disentis wurde Ende 2023 auf einer Gesamtfläche von 3300 Quadratmetern eine integrierte Solaranlage realisiert, mit Modulen auf den Dächern der Tennis- und Turnhalle sowie an den nach Süden ausgerichteten Fassaden der Tennis- und Kletterhalle, mit einer Stromproduktion von 600'000 kWh, die primär im neuen Sport- und Kulturzentrum selbst verbraucht wird. Bei der neuen Abwasserreinigungsanlage Oberengadin in S-chanf stattete Repower das Dach mit einer Anlage von 1,1 Megawatt installierter Leistung und 3'447 Modulen aus, finanziert über das PUREPOWER-Fördermodell, mit einer Jahresproduktion von 1,45 Gigawattstunden, was rechnerisch 325 Haushalte versorgen würde. Deutlich kleiner, aber ebenso dokumentiert, ist die Schwinghalle Untervaz mit 92 kWp installierter Leistung auf 500 Quadratmetern Fläche, wo laut Website "die Schwingerinnen und Schwinger im Training nicht nur Energie freisetzen", sondern auf dem Hallendach auch welche produziert wird.
Solar Manager: Verbrauch in Echtzeit steuern
Neben dem Bau und dem Contracting bietet Repower mit dem Solar Manager ein eigenes digitales Werkzeug an, mit dem Kundinnen und Kunden in Echtzeit den eigenen Stromfluss verfolgen können. Die Idee dahinter: Wer weiss, wann die eigene Anlage gerade produziert, kann grössere Verbraucher wie die Waschmaschine oder die Wärmepumpe gezielt in diese Zeitfenster legen und so den Eigenverbrauch erhöhen, statt überschüssigen Strom günstig ins Netz einzuspeisen und teuren Netzstrom bei Bedarf wieder zurückzukaufen. Der Zugriff erfolgt über ein eigenes Kundenlogin, getrennt vom allgemeinen Kundenportal MIAENERGIA, über das Rechnungen und Verbrauchsdaten einsehbar sind.
Solar als Teil eines grösseren Netzausbaus
Auf der Startseite bewirbt Repower wiederholt seine Arbeit am "Stromnetz von morgen" in der Surselva und im Lugnez, ausdrücklich im selben Atemzug wie die Solarsparte. Das ist kein Zufall: Als Netzbetreiberin in weiten Teilen Graubündens muss Repower zusätzliche Solarstromeinspeisung ins bestehende Netz integrieren, weshalb Netzausbau und Solarförderung bei diesem Anbieter enger zusammenhängen als bei einem reinen Installationsbetrieb ohne eigenes Netz. Wer in der Surselva oder im Lugnez eine grössere Solaranlage plant, hat es damit direkt mit der Firma zu tun, die auch für die Netzkapazität am selben Standort verantwortlich ist.
Förderung und Rückliefervergütung als eigenes Thema
Neben den beiden Hauptmodellen führt die Website unter "Solar" einen eigenen Bereich zu Fördergeldern, mit separaten Unterseiten zu allgemeinen Informationen, zum Verhältnis von Eigenverbrauch und Einspeisung sowie zur Rückliefervergütung, also dem Betrag, den Repower für ins Netz eingespeisten überschüssigen Solarstrom zahlt. Dass Repower diesem Thema eine eigene Rubrik widmet statt es beiläufig zu erwähnen, passt zur Doppelrolle des Unternehmens als Solaranbieterin und gleichzeitig als Netzbetreiberin, die genau diese Rückliefervergütung selbst festlegt und auszahlt.
Was zu beachten bleibt
Das Solar Contracting eignet sich ausdrücklich nur für Industrie-, Gewerbe-, Büro- und grössere Wohngebäude mit entsprechender Dachfläche und entsprechendem Verbrauch, ein gewöhnliches Einfamilienhaus fällt aus den genannten Mindestanforderungen heraus und bleibt auf das Baumodell verwiesen. Zu den konkreten Konditionen für eine selbst finanzierte Anlage, etwa Preisbeispielen oder Amortisationszeiten, macht die öffentliche Website keine Angaben, hierfür ist ein individuelles Beratungsgespräch nötig. Und weil Repower ein grosser, mehrsprachiger Konzern mit eigenem Italien-Geschäft ist, wirkt die Website streckenweise eher wie die eines Energieversorgers als wie die eines spezialisierten Solarbetriebs, was für konzernscheue Kundschaft ein Nachteil sein kann.
Fazit
Wer im Bündnerland eine grössere Dachfläche besitzt und lieber vermietet statt investiert, findet im Solar Contracting von Repower ein Modell, das anderswo im Kanton kaum in dieser Ausgereiftheit angeboten wird, gestützt durch dokumentierte Projekte mit realen Flächen- und Produktionsangaben statt vager Werbeversprechen. Wer stattdessen eine eigene, kleinere Anlage bauen lassen will, bekommt bei Repower zwar eine grundsolide, aus über einem Jahrhundert Energiegeschichte gewachsene Firma, muss sich die konkreten Zahlen dazu aber im persönlichen Gespräch holen statt auf der Website.
Als Netzbetreiberin mit eigener Wasserkraft, eigenem Handelsgeschäft in Mailand und einer über 120-jährigen Firmengeschichte ist Repower insgesamt weniger vergleichbar mit einem lokalen Solarhandwerker als mit einem regionalen Energiekonzern, der Solar als eine von mehreren Sparten führt. Für ein grösseres Bauvorhaben mit passender Dachfläche ist das ein Vorteil, für die spontane Anfrage zu einer kleinen Anlage auf dem eigenen Einfamilienhausdach eher ein Umweg über eine grössere Organisation.