NRG Solutions AG
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
NRG Solutions AG installiert keine Solarmodule, sie baut das, was danach mit dem Strom passiert: grosse Batteriespeicher für Industrie, Logistik und Gewerbeareale, von 215 Kilowattstunden bis über 40 Megawattstunden. Wer sich fragt, ob sich ein solcher Speicher überhaupt lohnt, bekommt auf der Website eine ungewöhnlich detaillierte Antwort, inklusive einer eigenen Bilanzgruppe, mit der die Firma Systemdienstleistungen direkt am Schweizer Regelenergiemarkt verkauft, ohne Zwischenhändler.
Wer die Firma ist
NRG Solutions AG hat ihren Sitz am Platz 4 in 6039 Root D4 im Kanton Luzern, mit der Unternehmensidentifikationsnummer CHE-450.276.865. Kontakt läuft über die Telefonnummer +41 41 459 70 70 oder per E-Mail. Die Firma beschreibt ihr Geschäftsmodell selbst mit 4 Verben: planen, finanzieren, betreiben und vermarkten. Das heisst, NRG Solutions tritt nicht nur als Installationsbetrieb auf, sondern übernimmt auf Wunsch auch die Finanzierung eines Speicherprojekts und den laufenden Betrieb danach, inklusive der Vermarktung der erzeugten Erlöse am Strommarkt.
Von 215 Kilowattstunden bis über 40 Megawattstunden
Batteriespeicher sind laut NRG Solutions bereits ab 215 Kilowattstunden realisierbar, für Gewerbe, Höfe und Areale. Das kleinste Referenzprojekt der Firma, Hofgenuss Rain, liegt genau bei dieser Grösse von 215 Kilowattstunden, das grösste bei über 40 Megawattstunden. Den vollen wirtschaftlichen Hebel aus Lastspitzenkappung (Peak Shaving) und Systemdienstleistungen entfalten Anlagen laut eigener Aussage typischerweise erst ab einem Netzanschluss von rund 1 Megawatt auf Netzebene 5, also im Mittelspannungsbereich, kombiniert mit einem Energieverbrauch von über 1 Gigawattstunde pro Jahr. Für eine Anlage mit 5 Megawattstunden Kapazität nennt die Website einen Platzbedarf von rund 80 Quadratmetern.
Das Referenzprojekt SABAG Rothenburg
Als konkretes Referenzprojekt nennt NRG Solutions die Anlage bei SABAG in Rothenburg, Kanton Luzern: eine Leistung von 3.45 Megawatt bei einer Kapazität von 5 Megawattstunden, in Betrieb genommen im Mai 2026. Die Website beschreibt die Anlage als Referenzprojekt für industrielle Batteriespeicherlösungen und nutzt sie laut FAQ-Bereich sowohl für Peak Shaving als auch für die Teilnahme am Systemdienstleistungsmarkt von Swissgrid. Zur Gesamtzahl eigener Referenzprojekte macht die Website eine konkrete Angabe: Die FAQ sprechen wiederholt von 5 realisierten BESS-Projekten (Battery Energy Storage Systems) in der Schweiz mit einer kombinierten Kapazität von über 30 Megawattstunden.
Die eigene Bilanzgruppe als Alleinstellungsmerkmal
Das Merkmal, mit dem sich NRG Solutions am deutlichsten von anderen Speicheranbietern abhebt, ist die eigene Bilanzgruppe. Über sie kann die Firma Systemdienstleistungen (SDL) direkt am Regelenergiemarkt von Swissgrid verkaufen, ohne dass ein weiterer Vermarkter oder Zwischenhändler dazwischengeschaltet ist. Ergänzt wird das durch ein eigenes Energiemanagementsystem, das laut Website die Batterie 24 Stunden am Tag überwacht und so einsetzt, dass sich Eigenverbrauchsoptimierung, Lastspitzenkappung und die Teilnahme an Regelenergiemärkten gleichzeitig kombinieren lassen. NRG Solutions wirbt damit, Projekte nicht mit pauschalen Renditeversprechen zu bewerten, sondern mit anerkannten finanzmathematischen Kennzahlen wie dem Kapitalwert (Net Present Value) und dem internen Zinsfuss (Internal Rate of Return), basierend auf einer Analyse von Lastprofilen im 15-Minuten-Raster.
4 Erlösquellen gleichzeitig
Die Website beschreibt 4 Wege, wie ein Speicher Geld verdienen kann: Systemdienstleistungen, Arbitrage (günstig einkaufen, teuer verkaufen), Peak Shaving zur Senkung von Lastspitzen und Eigenverbrauchsoptimierung. Laut den FAQ auf der Website kann Peak Shaving die Netzentgelte um 20 bis 50 Prozent senken, wobei sich diese Spanne je nach individuellem Lastprofil eines Standorts unterscheidet und die Website selbst keinen Einzelfall mit einer konkreten Prozentzahl belegt. Als Reaktionszeit für Notstromfunktionen nennt die Website einen Bereich im Millisekundenbereich, verglichen mit 10 bis 30 Sekunden bei klassischen Dieselgeneratoren. Zur Lebensdauer moderner Lithium-Ionen-Batterien nennt die Website über 6000 Ladezyklen und mehr als 15 Jahre Betriebsdauer.
Ein siebenstufiger, mehrmonatiger Prozess
Von der ersten Lastprofilanalyse bis zum laufenden Betrieb beschreibt NRG Solutions einen Prozess in 7 Schritten: Analyse, Priorisierung der Anwendungsfälle, technische Dimensionierung, Wirtschaftlichkeitsmodell mit Kapitalwert- und Zinsfussrechnung, Engineering und Netzabklärung, Lieferung, Bau und Inbetriebnahme sowie schliesslich der laufende Betrieb mit Monitoring über das eigene Energiemanagementsystem. Die FAQ beziffern die gesamte Projektdauer von der ersten Analyse bis zur vollständigen Inbetriebnahme mit typischerweise 4 bis 6 Monaten, während der reine Evaluationsprozess bis zur fertigen Wirtschaftlichkeitsrechnung laut Website nur wenige Wochen dauert und für Kundschaft unverbindlich bleibt.
Volles Fremdmanagement über EPCM
Auf einer eigenen Unterseite beschreibt NRG Solutions das Angebot als Engineering, Procurement and Construction Management (EPCM) und listet dafür dieselben 7 Phasen wie auf der Startseite, hier mit leicht anderen Bezeichnungen: Beratung, Planung, Engineering, Beschaffung, Bau, Inbetriebnahme und Wartung. Die Firma verspricht dazu einen einzigen Ansprechpartner für den gesamten Ablauf, von der Standortanalyse und Potenzialermittlung über die Baubewilligung und das Netzanschlussgesuch bis zur Bauüberwachung, Qualitätssicherung und Termincontrolling. Für eine Bauherrschaft, die weder eigenes technisches Fachpersonal noch Erfahrung mit einem Netzanschlussgesuch hat, ist das ein relevanter Unterschied zu einem Anbieter, der nur die Hardware liefert und die Koordination mit Netzbetreiber und Behörden der Kundschaft überlässt.
Im Menü der Website findet sich unter "Finanzierung" auch die Option, einen Batteriespeicher zu mieten statt zu kaufen. Die Website nennt dazu keine Mietkonditionen, Laufzeiten oder Monatsraten, sodass sich der finanzielle Vergleich zwischen Kauf, Miete und dem beworbenen "Full-Service ohne jegliche Eigeninvestition" nur im persönlichen Gespräch klären lässt. Bemerkenswert ist trotzdem, dass NRG Solutions diese Option überhaupt öffentlich benennt, denn viele Speicheranbieter beschränken sich auf den klassischen Verkauf und überlassen die Finanzierungsfrage der Bank der Kundschaft.
Was das für Interessierte bedeutet
Für ein Gewerbe- oder Industrieunternehmen, das seinen Netzanschluss und Stromverbrauch bereits kennt, liefert die Website von NRG Solutions ungewöhnlich konkrete Schwellenwerte, um selbst grob abzuschätzen, ob sich ein Speicherprojekt lohnen könnte: ein Netzanschluss ab rund 1 Megawatt auf Mittelspannungsebene und ein Jahresverbrauch über 1 Gigawattstunde als Anhaltspunkte für den vollen wirtschaftlichen Hebel. Wer unterhalb dieser Grössenordnung liegt, wird laut eigener Aussage von NRG Solutions trotzdem nicht abgewiesen, denn Projekte sind schon ab 215 Kilowattstunden realisierbar, nur der volle Nutzen aus Regelenergie und Lastspitzenkappung stellt sich dann später ein. Diese Transparenz bei den technischen Voraussetzungen unterscheidet die Website deutlich von Anbietern, die pauschal jede Anlagengrösse als wirtschaftlich bewerben.
Fazit
NRG Solutions AG positioniert sich mit einer eigenen Bilanzgruppe, einem eigenen Energiemanagementsystem und einer öffentlich dokumentierten Kennzahl von 5 Referenzprojekten mit über 30 Megawattstunden kombinierter Kapazität als spezialisierte Anbieterin für grosse Batteriespeicher, nicht für klassische Photovoltaik-Aufdachanlagen. Firmen mit hohem Stromverbrauch und einem Netzanschluss ab etwa 1 Megawatt finden hier eine Ansprechpartnerin, die ihre Wirtschaftlichkeitsrechnung offenlegt statt mit pauschalen Amortisationsversprechen zu arbeiten. Für einen einfachen Ersatz einer kleinen Solaranlage auf einem Einfamilienhaus ist NRG Solutions dagegen erkennbar nicht die richtige Adresse.