EWO (Elektrizitätswerk Obwalden)
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Das EWO, das Elektrizitätswerk Obwalden, gehört dem Kanton Obwalden und seinen 7 Einwohnergemeinden und beschäftigt rund 100 Mitarbeitende, geführt von der Zentrale an der Stanserstrasse 8 in Kerns. Für einen Hausbesitzer mit eigener Solaranlage ist das EWO zunächst der Abnehmer des überschüssigen Stroms: Wer mehr produziert, als er selbst braucht, verkauft den Rest ans Werk zurück, das sich bei der Vergütung am Referenzmarktpreis des Bundesamtes für Energie orientiert. Eine feste Zahl dafür nennt die Website nicht, der Preis folgt dem monatlich schwankenden Markt, und wer eine konkrete Zahl will, muss beim EWO nachfragen statt sich auf einen veröffentlichten Tarif zu verlassen.
Wer die Anlage baut: das EWO selbst, nicht die Gebäudetechnik-Tochter
Die zweite Schiene ist das Photovoltaik Contracting, und hier lohnt sich ein genauer Blick, weil ein naheliegender Eindruck in die Irre führt. Nicht die separat geführte EWO Gebäudetechnik AG realisiert dieses Angebot, sondern das EWO selbst: "Das EWO baut und betreibt die Photovoltaikanlage", heisst es auf der Contracting-Seite wörtlich, und die Gebäudetechnik-Tochter taucht dort nur als Fusszeilen-Link auf, nicht als Anbieterin. Beim Contracting-Modell übernimmt das EWO auf eigene Kosten und eigenes Risiko den Bau einer Anlage auf dem Dach einer Unternehmung. Der Kunde bezieht den produzierten Strom anschliessend zu einem für die gesamte Vertragsdauer fixen Preis, ohne selbst investieren zu müssen. Die Vertragsdauer bewegt sich laut Website zwischen 15 und 25 Jahren, abhängig von Projektumfang und Anlagengrösse. Nach Ablauf des Vertrags geht die Anlage kostenlos in den Besitz des Kunden über, und während der Laufzeit lässt sie sich auch vorzeitig zu einem beim Vertragsabschluss festgelegten Restwert zurückkaufen. Voraussetzung sind eine Mindestanlagegrösse, eine passende Abnahmekapazität und eine geeignete Dachfläche, konkrete Schwellenwerte dafür veröffentlicht das EWO nicht. Ansprechpartner für das Contracting ist Paul Krummenacher, Leiter Energieeffizienz.
Diese Unterscheidung ist mehr als Formalie. Wer online nach einer Solarfirma in Obwalden sucht, stösst schnell auf beide Namen, EWO und EWO Gebäudetechnik AG, und könnte annehmen, es handle sich um dasselbe Angebot unter zwei Labels. Tatsächlich sind es zwei getrennte Firmen mit zwei Websites: Das EWO kauft Strom zurück und baut im Contracting-Modell auf fremden Dächern, während die EWO Gebäudetechnik AG als eigenständiger Handwerksbetrieb Elektroinstallationen, Photovoltaik-Montagen, Batteriespeicher und Ladestationen für Kunden ausführt, die selbst eine Anlage besitzen wollen.
Die eigenen Anlagen im Kanton
Neben dem Handel mit fremdem Solarstrom betreibt das EWO auch selbst mehrere Photovoltaikanlagen auf Dächern im Kanton Obwalden. Die grösste steht auf Dach und Fassade des Unterwerks Sarnen: rund 361 Module mit einer Anlagenleistung von 97,62 kWp auf 550 Quadratmetern Fläche. Bei der Jahresproduktion widerspricht sich die Website an dieser Stelle selbst. Der Fliesstext zur Anlage nennt rund 72'000 Kilowattstunden, mit denen sich jährlich 20 Haushalte mit Obwaldner Sonnenstrom versorgen liessen, während die Kennzahlen-Box direkt daneben 85'000 kWh Jahresproduktion angibt. Beide Zahlen stehen auf derselben Seite, keine ist als überholt oder korrigiert gekennzeichnet. Ein Interessent, der sich an dieser Anlage als Referenz orientieren will, sollte beim EWO direkt nachfragen, welche der beiden Angaben aktuell gilt.
Weitere Anlagen des EWO: Auf dem Dach der Kantonsschule Obwalden produziert das Werk seit September 2010 Strom. Seit April 2016 läuft eine Anlage auf dem 909 Quadratmeter grossen Dach der Garage Windlin in Kerns. Seit März 2023 speist eine Anlage auf dem eigenen EWO-Hauptgebäude rund 136'000 Kilowattstunden im Jahr ein. Am Wärterhaus der Wasserfassung Rismatt im Melchtal betreibt das EWO ausserdem eine reine Eigenbedarfsanlage, die ungefähr so viel Strom produziert, wie die Wasserfassung selbst benötigt, ohne Überschuss fürs Netz.
Grösse und Herkunft des Stroms
Rund 85 Prozent des Stroms, den das EWO an seine Kunden liefert, stammt aus eigener Wasserkraft, Photovoltaik ist bei diesem Werk also eher Ergänzung als Hauptgeschäft. Die Stromproduktion stützt sich auf zwei eigene Wasserkraftwerke, dazu betreibt das EWO zwei Wärmeverbundanlagen, eine in Lungern und eine in Kerns, die Haushalte und Industriebetriebe zusätzlich mit Wärme versorgen. Das Verteilnetz umfasst 1'260 Kilometer Leitungen im Kanton. Für einen Solar-Interessenten heisst das in der Praxis: Das EWO ist in erster Linie Energieversorger und Netzbetreiberin, die Photovoltaik als zusätzliches Standbein anbietet, kein spezialisierter Installationsbetrieb, der auf der eigenen Website mit Referenzprojekten für Kunden wirbt.
Zwei aktuelle Vorhaben zeigen, dass sich das EWO mit der Versorgungssicherheit rund um die eigene Stromproduktion beschäftigt, auch wenn sie keine Solaranlagen im engeren Sinn sind. Am Unterwerk Sarnen, wo auch die grösste eigene Photovoltaikanlage steht, hat das EWO ein neues stationäres Notstromaggregat in Betrieb genommen, das bei einem Blackout den Strom für die eigenen Anlagen sicherstellt. Parallel dazu prüft das EWO den Bau eines Grossbatteriespeichers, der Produktion und Verbrauch ausgleichen soll; eine Machbarkeitsstudie kam laut Website zu einem positiven Schluss, ein Bauentscheid ist auf der Seite nicht vermerkt. Für Interessenten, die selbst abschätzen wollen, ob sich eine eigene Anlage rechnet, bietet das EWO auf der Website zudem einen Photovoltaik-Rechner an, der in wenigen Minuten eine erste Einschätzung liefert, ohne dass man dafür ein Angebot einholen muss.
Für wen sich das eignet
Für einen Hausbesitzer mit bestehender Solaranlage ist die Vergütung ein unkomplizierter Rückkauf des Überschusses, ohne dass ein Wechsel des Netzbetreibers nötig wäre. Für ein Unternehmen ohne Interesse an einer eigenen Investition ist das Contracting die interessantere der beiden Schienen: eine Anlage aufs eigene Dach, ohne Kapitaleinsatz, mit einem über die gesamte Laufzeit fixen Strompreis und der Option, sie später zu übernehmen. Wer dagegen selbst bauen und finanzieren will, landet nicht beim EWO, sondern bei dessen Schwesterfirma EWO Gebäudetechnik AG, die als eigenständiger Betrieb geführt wird.
Der einzige Wermutstropfen bei der Recherche ist die widersprüchliche Kennzahl zur Anlage am Unterwerk Sarnen: ein Detail, das an Vergütung oder Contracting selbst nichts ändert, das ein Leser aber im Hinterkopf behalten sollte, bevor er sich auf die veröffentlichten Zahlen zu einer einzelnen Referenzanlage verlässt. Als Ansprechpartner für Firmen mit eigenem Dach und ohne Lust auf eine eigene Investition ist das EWO eines von wenigen Kantonswerken in der Zentralschweiz, das ein Contracting-Modell aktiv und mit einem klaren, namentlich genannten Ansprechpartner anbietet, statt Interessenten nur an Dritte weiterzureichen.
Wer beim EWO anfragt, sollte deshalb von Anfang an klarstellen, welches der beiden Angebote gemeint ist: Rückkauf des eigenen Solarstroms zum schwankenden Referenzmarktpreis, oder eine fremdfinanzierte Anlage übers Contracting mit fixem Strompreis über 15 bis 25 Jahre. Beide Wege führen über dieselbe Website und denselben Ansprechpartner beim EWO, aber zu ganz unterschiedlichen finanziellen Verpflichtungen, und keiner der beiden ersetzt die Installationsleistung, die nach wie vor bei der eigenständigen Schwesterfirma liegt.